Apropos... Kapellmeister
Herr Meister, Sie sind Chefdirigent des RSO Wien. Musikchefs sind in Wien rar. Werden Sie am Karlsplatz schon auf Händen getragen?
Nicht, dass ich wüsste ... Obwohl: Ich bin mal kurz hintereinander mit demselben Wiener Taxifahrer gefahren. Als ich ihn auch beim zweiten Mal bat, die Musik im Radio abzuschalten, meinte er: «Ach ja, ich erinnere mich: Sie sind doch derjenige, der keine Musik mag.»
Das RSO Wien, das Sie jetzt bei der «Peter Grimes»-Premiere im Theater an der Wien dirigieren, ist vielleicht das zuverlässigste Orchester Wiens.
Es wird dort aber gern unterschätzt. Warum?
Zum einen wurde das Orchester erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Wir haben keine k. u. k.-Vergangenheit. Und: Das RSO geriet in den letzten Jahrzehnten immer wieder in finanziell heikle Situationen. Anders gesagt: Das RSO muss jeden Abend hervorragend spielen, um seine Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen.
Als Sie 2005 nach Heidelberg kamen, waren Sie der jüngste GMD Deutschlands. Sie stehen für das, was man eine Kapellmeister-Laufbahn nennt. Was bedeutet das eigentlich?
Es bedeutet, dass ich an einem Opernhaus als Korrepetitor angefangen habe und die Ausbildung zum Dirigenten als Handwerk im ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Kai Luehrs-Kaiser
Kleingeistige Tyrannen, Odalisken, Harems, grausame Bestrafungen und dergleichen mehr wurden – als Versatzstücke einer dem Exotismus huldigenden Kunst – bereits seit Rossinis «L’italiana in Algeri» verspottet, als Verdi sich mit «Il corsaro» (1848) zum zweiten Mal einer Vorlage Lord Byrons widmete. Nach den politisch aufgeladenen «Due Foscari» (1844) geriet die...
Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.
Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht...
Vergleiche zwischen Felice Romanis hochpolitischem «Norma»-Libretto für Bellini und den «Asterix»-Comics sind oft gezogen worden ‒ auch von pfiffigen Regisseuren. Zwar ist der öffentliche Konflikt zwischen römischer Besatzung und gallischen Rebellen so raffiniert und erschütternd in der privaten Dreiecksgeschichte zwischen dem Prokonsul Pollione und den beiden...
