Antikes Ambiente
Die Stadt, welche die Römer «Felicitas Julia» nannten und in der (fast) immer die Sonne scheint, besinnt sich neuerdings wieder auf ihre glückliche Vergangenheit. Sogar das Teatro Nacional de São Carlos scheint sich, obwohl finanzielle Zwänge immer noch wie ein Damoklesschwert über der Kompanie hängen, von der Sparpolitik der letzten Jahre zu erholen.
Beispielhaft zeigt sich dies in der aktuellen Neuproduktion von Strawinskys «Oedipus Rex». Optisch dient Lissabons römisches Theater als Inspiration.
Durch einen auf halber Strecke eingezogenen Prospekt mit aufprojizierter scenae frons hat man die Bühnenrückwand nach vorn verlagert. Darin drei Pforten. Nur Ödipus darf die mittlere durchschreiten; hier formiert sich der Chor in drei Reihen zum menschlichen Säulengang. Zwei Seitenpfade – einer verläuft parallel zum Proszenium, einer diagonal – ergänzen den Hauptsteg zum trivium, an dessen Scheitelpunkt alle entscheidenden Begegnungen stattfinden.
Regisseur Ricardo Pais gelingt hier ein Muster mystisch-strenger Eleganz und Ökonomie. António Lagartos Bühne prägen Graustufen und düstere Lichtstimmungen, während in den Kostümen Anleihen aus der mykenischen Ikonografie, ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Manuel Pedro Ferreira
Zwei Außenseiter, ohne Zweifel. Der eine, Ermanno Wolf-Ferrari, hin und her gerissen zwischen dem Hang zur bittersüßen Melancholie und einer gewachsenen Liebe zu einer Art Rokoko-Verismus. Der andere, Nino Rota, dessen «Schicksal» es war, im falschen Jahrhundert (und für das falsche Genre) zu komponieren – allzu wenig hatte das «Zeitalter der Extreme» übrig...
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi...
Wenn Figuren aus dem Textbuch steigen wie Tote aus dem Grab, wird es kompliziert. Schon dem Theaterdirektor in Luigi Pirandellos berühmter Groteske geht es so, als er Besuch von sechs Personen erhält, die ihren Autor verlassen haben und nun einen neuen suchen.
Ein ähnliches Schicksal erleidet der Schriftsteller Gabriel in Arthur Lavandiers knapp zweistündigem...
