Alte und neue Lockungen
Als der 24-jährige Bohuslav Martinu 1923 nach Paris kam, um bei Albert Roussel weiter Komposition zu studieren, begann eine der faszinierendsten künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, ein Weg des ständigen Oszillierens zwischen nostalgisch-folkloristischen Einflüsterungen, Erinnerungen, Sehnsüchten und modernistisch-urbanen, gleichsam kosmopolitischen Lockungen. Bald gewann bei ihm das eine Oberhand, bald das andere. Der Vergleich mit einem anderen Slawen, der Weltbürger wurde, liegt nahe.
Auch Strawinsky hat sich ja noch in späteren Jahren oft auf seine russischen Wurzeln besonnen. Freilich kaum in der gefühlsbetonten, ungeschützt erinnerungsseligen Weise wie Martinu, dessen Tonsprache insgesamt weicher, verbindlicher, unprovokativer timbriert war. Die Skandale, die Strawinsky zehn Jahre vorher beim Publikum auslöste, wären in den Pariser Jahren des Newcomers Martinu ohnedies kaum mehr denkbar gewesen. Der Weltkrieg hatte viele konservative Bastionen erschüttert. Die großen Bühnenerfolge galten nun Musiktheaterwerken, die dezidiert dem Zeitgeist frönten: Max Brands «Maschinist Hopkins», Paul Hindemiths »Neues vom Tage», Ernst Kreneks «Jonny spielt auf», Kurt Weills ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Hans-Klaus Jungheinrich
Selbstmach-Oper bietet ein von der Interactive Media Foundation entwickelter OPERA MAKER für Kinder. Da können die Kleinen bedeutende künstlerische Entscheidungen treffen: Ist der Drache Held oder Bösewicht? Wie rettet die Prinzessin ihren Prinzen? Und welche berühmte Melodie passt am besten als Ouvertüre des neuen Meisterwerks? Aus einer überschaubaren Auswahl an...
Im äußersten Norden der Republik stemmte man sich wieder einmal gegen den theatralen Weltuntergang: Das Schleswig-Holsteinische Landestheater, dieser seit vielen Jahrzehnten bewährte Zusammenschluss der Bühnen von Flensburg, Schleswig (als Verwaltungshauptsitz), Rendsburg und neun weiteren Bespielorten, drohte auseinanderzubrechen. Begonnen hatte das Drama im Juli...
Man trägt Fell auf dem roten Teppich der Internationalen Maifestspiele. Oscar, der Hund des Intendanten, ist den Besuchern des Hessischen Staatstheaters aus der Lokalpresse bestens bekannt. Uwe Eric Laufenberg eröffnet die Festspiele mit dem Versprechen, «bestmögliche Qualität» zu bieten. Das Bestmögliche an diesem Abend ist eine eingekaufte Produktion: Brittens...
