Zustände ihres Willens
Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in den synaptischen Spalt vor den Worten des Gefangenen- und Volks-Chores «Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde» hineinfließen zu lassen, keine Folge geleistet wird. Allein, so geschieht es.
Herbert Blomstedt, der achtzehnte Gewandhauskapellmeister in der bewegten Geschichte dieses Orchesters, verzichtet bei seinem sehr späten und deswegen mit großer Spannung erwarteten Leipziger Einstand als Operndirigent auf die aparte musikalische Final-Volte. Aber er tut es nicht, ohne die Weglassung zu begründen: «Die Leonoren-Ouvertüren – besonders die zweite und die dritte – sind großartige Stücke», schreibt er im Programmbuch zur Aufführung, «aber sie gehören zu früheren Fassungen. Und verschiedene Fassungen sollte man nicht mischen.»
So bleibt es bei der einen klassischen Ouvertüre zu Beginn, jener «Fidelio»-Ouvertüre, die zwar ...
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Die vielleicht wichtigste Aufführung der aktuellen Saison am Teatro Real in Madrid ist die Neuproduktion von «Il barbiere di Siviglia», die als Joint Venture mit dem Teatro São Carlos in Lissabon entstand. Nicht nur, weil das Stück zu den beliebtesten Opern des Repertoires gehört und in Spanien spielt. Sondern vor allem, weil für diesen «Barbiere» eine spektakuläre...
Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
