Zuckerfrei

Benjamin Appl singt Lieder der Romantik und des 20. Jahrhunderts, das Ensemble Amarcord mehrstimmige Stücke von Schubert

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Wer würde schon hinter Wörtern wie Opium oder Parfüm die Titel musikalischer Anthologien erahnen? Oder gar ein «Konzept» hinter dem Wort «Heimat», das Benjamin Appl für seine Debüt-CD bei Sony  gewählt hat. Auf die Frage, um welche Heimat es geht, geben die 25 Lieder deutscher, französischer, englischer und eines norwegischen Komponisten 1003 Antworten. Es gehe darin, so Appl im Beiheft, um Fragen nach Identität, Heimweh und Sehnsucht, Vorurteilen und Veränderungsängsten.

Für den poetisierenden Kitt, der das Programm zusammenhalten soll,  sorgt ein von Neil MacGregor beigesteuerter Text über das durch «Heimat» assoziierte Wortfeld und die Gefühlswelt.  

Es ist wohltuend, dass Appl sich nicht zu jenem gefühligen Tonfall herlässt, der die Grenze zwischen Süße (oder Innigkeit) und Sentimentalität (oder Pathos) überschreitet. So singt er etwa das von Adolf Strauss in Theresienstadt geschriebene Lied «Ich weiß bestimmt, ich werd’ dich wiedersehen», das in tiefster Verzweiflung die Hoffnung zu wahren versucht, mit dem Pathos der Distanz. Appl überzeugt besonders dann, wenn sich das lyrische Ich der Lieder empfindsam aussingen kann, wie in Schuberts «Seligkeit», «Nachtstück» und «Der ...

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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Jürgen Kesting

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