Zauberisch luzide

Nicht nur sein Bayreuther «Parsifal» ist eine Offenbarung. Weil Hartmut Haenchen, bevor der den Stab hebt, penibel alle Quellen studiert. Und trotzdem überzeugt ist, es gehe noch besser

Opernwelt - Logo

Er würde, sagte er zu der Reporterin von TV Oberfranken, als die sechs «Parsifal»-Aufführungen im mystischen Abgrund glücklich hinter ihm lagen, das gern noch mal «richtig» machen. Und lächelte. In diesem Wörtchen steckt exakt jene Melange aus Bescheidenheit und Stolz, aus Ehrlichkeit und Praxisbezug, die den Dirigenten Hartmut Haenchen von jeher auszeichnet.

Als sei es nicht «richtig» gewesen, dass er 19 Tage vor der Premiere des «Parsifal» eingesprungen war für den hügelflüchtigen Kollegen Andris Nelsons; als habe er die Applausstürme nicht gehört, die enthusiastischen Kritiken nicht gelesen, womit ihm diese spektakuläre Tat vergoldet worden war, als Retter der Bayreuther Festspiele. Der Wahrheit die Ehre: Natürlich gab es auch skeptische Stimmen zu Haenchens quellenkritischer Lesart des «Parsifal», die so ganz anders tönte, als man es an diesem speziellen Ort, bei diesem speziellen Stück gewohnt war. Nämlich schnell, hell, durchsichtig, textverständlich und äußerst klar strukturiert. Aber niemand, der ihm nicht Respekt zollte. Haenchen war, keine Frage, der Dirigent des Festivalsommers 2016.

2017 kehrte er wieder, für noch einmal sechs Aufführungen. Hatte abermals das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Dirigent und Orchester des Jahres, Seite 46
von Eleonore Büning

Weitere Beiträge
Lust auf Drag

Selbstkritik ist angebracht. Schenken Kritiker dem, was mit dem unschönen deutschen Begriff «Ausstattung» umrissen ist, auf der Bühne wirklich genug Aufmerksamkeit? Setzt man den Namen des Kostümbildners nicht oft irgendwo in Klammern, allein um der lieben Vollständigkeit willen? Womöglich hat das auch etwas mit der vorherrschenden Theaterästhetik der vergangenen...

Vom Himmel hoch

Luthers Wittenberger Thesenanschlag hallt bis heute nach. Nicht zuletzt auf der Opernbühne. Immer wieder
hat die vor 500 Jahren formulierte reforma­torische Idee von der Freiheit des (Christen-)Menschen Komponisten beschäftigt. Aber auch deren Perver­tierung: Gewalt und Terror im Namen Gottes, etwa in Gestalt der Münsteraner Wiedertäufer. (Protestantischer) Glaube...

Generation Zukunft

Herr Dorny, ich kenne kein anderes Opernhaus, in dem so viele junge Leute im Publikum sitzen wie in Ihrem. Wie haben Sie das erreicht?
Als ich ankam in Lyon, 2003, machte das Abonnement 85 Prozent des Kartenverkaufs aus, die Auslastung lag damals bei 87 Prozent. Was bedeutet: Über die Abonnenten hinaus kauften sich nur wenige Leute Opernkarten. Ein solides...