Christoph Marthaler und Barbara Hannigan auf der Probe; Foto: Bo Lahola
An den Rändern des Sprachlichen
Seinen Stil erkennt man auf den ersten Blick. Und das liegt nicht nur an den kargen Räumen, die Anna Viebrock für Christoph Marthaler entwirft. Man erkennt ihn an der Art, wie sich Körper und Stimmen durch diese scheinbar hermetischen Landschaften bewegen. Unfertig, verloren, mitunter zum Heulen komisch wirken die Gestalten in Marthalers Theater. Und zum Verzweifeln wahr. Das ist auch in der Version von Alban Bergs «Lulu» zu erleben, die er mit seinem festen Team, zu dem seit Jahren der Dramaturg Malte Ubenauf gehört, für die Hamburgische Staatsoper entwickelt hat.
Einblicke in die Genese der «Aufführung des Jahres»
Das Schweigen ist das Element, in dem sich die großen Dinge bilden, um zuletzt vollkommen und majestätisch emporzutauchen an das Licht des Lebens, das sie beherrschen sollen
Maurice Maeterlinck
Charmante Vorstellung: Am Anfang das Ende. Das Ende am Anfang. Die Frage, wie dieses Ende sein könnte, vor der Stille, als Stille, wie stilbildend, raumgreifend, sinngebend. Und warum es so sein kann, wenn es so ist, wie es ist. Anders, das jedenfalls sollte es sein. Auf den ersten Blick gewagt. Aber nicht so, dass es gegen das Stück gerichtet wäre, gar nicht. Nur anders eben. ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 30
von Jürgen Otten
Als ob sie das Stück nicht gerade ein halbes Dutzend Mal gespielt hätten. Doch trotz ständiger Wiedervorlage auf der Tournee, beim Konzert im eigenen Haus und mit einem Schlager wie Tschaikowskys Fünfter, lässt Kirill Petrenko bis eine Viertelstunde vor Beginn nicht locker. Proben, feilen, verfeinern, egal, ob in den Foyers des Münchner Nationaltheaters die...
Politik war seine Sache nie – reale Politik. Lässt man seine Regiearbeiten Revue passieren, wird freilich evident, dass Dmitri Tcherniakov das Politische als Phänomen durchaus affiziert – man denke nur an den Medienzirkus in seiner nachgerade erschütternd hellsichtigen Berliner «Zarenbraut» (2013) oder an die zerrüttete Autokratie in der Amsterdamer «Legende von...
Der Boom war alles andere als Zufall: Mit Kurzopern setzten sich Komponisten des 20. Jahrhunderts polemisch gegen die ausladenden Riesenwerke der Wagner-Nachfolge samt ihrer Bedeutungsträchtigkeit und Klangopulenz ab, frei nach der Devise des jungen Brecht: «Glotzt nicht so romantisch!» Diesem Postulat folgte auch Ernst Křenek, als er Mitte der 1920er-Jahre die...
