Wissender Träumer

Zum Tod von Sir Charles Mackerras

Opernwelt - Logo

Mehrere Male durfte ich Charles Mackerras in seinem Londoner Heim besuchen, um ihn zu interviewen. Das Haus liegt am Rand des pittoresken Stadtteils Little Venice, wo der Grand Union Kanal und der Regents Canal sich treffen und zahlreiche der für Großbritannien so typischen bunt bemalten Hausboote ankern. Ganz in der Nähe auch das legendäre Stadion «Lord’s», in dem ausschließlich Cricket gespielt wird, das so typisch englische Spiel.

Und als typisch englische Erscheinung galt auch Sir Charles, obwohl er 1925 als Sohn australischer Eltern in Scenectady unweit von New York geboren wurde und in Sydney aufwuchs, wo er am New South Wales Conservatory studierte. Als 22-Jähriger kam er nach London und machte die Metropole zu seiner Wahlheimat. In Australien galt er nach eigener Aussage als pommyfied («Pommies» ist der australische Slang-Ausdruck für die Engländer).

Beim erneuten Abhören der Interviews fällt mir der insistierende Schlag der Pendeluhr in Mackerras’ Wohnzimmer auf (ein konstantes Memento mori im Hintergrund, dem ich damals wenig Beachtung schenkte), der mich nun im Zusammenhang mit seinem doch plötzlichen Krebstod – er wäre im November 85 Jahre alt geworden, hatte noch viele ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Magazin: Erinnerungen, Seite 98
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Keine Chance für die Stimmen

Alfred Kerr umschrieb Hofmannsthals Schauspiel «Elektra» als «Blutraserei mit Stil». Mit der Musik von Richard Strauss wandelte sich das Ganze zum eruptiven, expressionistischen Racheschrei. Ganz glücklich schien der Komponist mit dem zuweilen orgiastisch auftrumpfenden Riesenorchester nicht gewesen zu sein. «Meine Überzeugung ist, dass in Zukunft das allein...

Bitte nicht jedes Jahr eine neue «Carmen»!

Die Musikfilmproduktion kann man ungefähr einteilen in Aufnahmen der Performing Arts (also Konzert, Oper und Tanz), in Documentaries und Doku-Dramen. Welche dieser Gattungen gehen heute am besten?

Am interessantesten sind natürlich Doku-Dramen, die Darstellung des Lebens eines Künstlers mit Schauspielern. Aber das ist sehr aufwändig, zumal noch das Sprachproblem...

Vorwärts ins Mittelalter

Der «Historia Langobardorum» des Paulus Diaconus zufolge verhielten sich die beiden im Italien des Siebten Jahrhunderts im Krieg befindlichen Herrscher – der rechtmäßige König Perctarit und der Usurpator Grimoald – in einem Punkt durchaus fair: Sie stritten nicht um Königin Rodelinda. Stattdessen wurde die Regentin mitsamt ihrem Sohn Cunipert nach Benevento ins...