Wer tritt wen?

Wien | Staatsoper | Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Und wenn einer tritt, dann bin ich es; und wird einer getreten, bist du’s. Das Hohelied kapitalistischer Denkungsweise, mit dem das Publikum nach dem ersten Akt von «Mahagonny» in die Pause entlassen wird, dieses Credo der Zocker und Spekulanten, war vermutlich nie aktueller als heute. Und so trifft sich’s gut, dass die Wiener Staatsoper die moralinreiche Kapitalismuskritik von Brecht und Weill als erste Premiere dieses prekären Jahres 2012 ansetzte. Als Erstaufführung dieses Werks im Haus am Wiener Opernring notabene (der Oper, nicht des Songspiels).



Träfe sich’s gut, muss man allerdings leider sagen. Denn das Stück wirkt zumindest in dieser Produktion merkwürdig alt und zugleich auf langweilende Art besserwisserisch. Was nicht zuletzt an Jérôme Deschamps’ Inszenierung liegt. Der Regisseur bezieht sich dezidiert auf Brechts episches Theater, das bei ungebrochener Umsetzung heute ja ganz allgemein recht verstaubt wirkt. In der sich zu abstrakten Häusergebilden formierenden und durch Projektionen amerikanischer Stadtlandschaften ergänzten Dekoration von Olivia Fercioni – inklusive der obligaten Brecht-Gardine – sorgen vor allem die Kostüme von Vanessa Sannino durch Übersteigerung ins ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ins Offene, Freunde

Vera Nemirovas lebhafte und detailreiche Frankfurter «Ring»-Interpretation ist sicher ein gewichtiger Grund dafür, dass geplante Gesamtaufführungen auf Anhieb für ein ausverkauftes Haus sorgten. Und zwar, bevor mit «Götterdämmerung» überhaupt der Schluss des Unternehmens erreicht war. Dieses Finale versetzte die bisher virtuos kompilierte, nach der gewitzten...

Nostalgie, nein danke!

Herr Kosky, Sie werden an der Komischen Oper künftig viel Operette präsentieren. Das klingt nach Nostalgie mit hippem Anstrich...

Ich werde weder nostalgische Gefühle bedienen noch den Geist des guten, alten Metropol-Theaters in neuen Outfits beschwören. Ich will vielmehr an eine vertriebene, weitgehend verdrängte und fast vergessene Tradition erinnern, die zur...

Editorial, März 2012

Eigentlich wollte Klaus Florian Vogt im April nach Barcelona fliegen, um mal den Lohengrin zu vergessen. Das Gran Teatre del Liceu hatte den Tenor für einen Doppelabend mit Zemlinskys «Zwerg» und «Florentinischer Tragödie» gebucht. Aber daraus wird nichts – die sechs Vorstellungen sind abgesagt. Auch eine für Mai geplante Aufführungsserie von Debussys «Pelléas et...