Wer ist Jedermann?
Europäische Leser mögen nach wie vor staunen, dass es in Australien für fast 23 Millionen Einwohner nur eine einzige «nationale» Opernkompanie gibt: Opera Australia (OA), die ausschließlich in Sydney und Melbourne spielt.
Selbst wenn man die in den Hauptstädten von vier Bundesstaaten beheimateten «Teilzeit»-Truppen nebst einigen Spezialensembles hinzuzählt – etwa die Sydney Chamber Opera, die sich auf zeitgenössische Produktionen konzentriert, oder die Pinchgut Opera, die einmal pro Jahr in Sydney ein Barockwerk herausbringt –, so muss man doch sagen, dass Oper für die meisten Australier unerreichbar bleibt.
Dieser demografische Umstand macht die Arbeit für Opera Australia zugleich leichter und schwieriger als anderswo: Man hat kaum nennenswerte Konkurrenz, muss sich jedoch stets darum bemühen, ein heterogenes Publikum anzusprechen. In den vergangenen Jahren (besonders während der Saison 2011) hat OA diese Aufgabe mit durchwachsenem Geschick bewältigt – künstlerisch wie finanziell. Der ehemalige Sänger und Festival-Chef Lyndon Terracini, ihr neuer Artistic Director, muss zwischen Skylla und Charybdis agieren: Einerseits hat er es mit einer risikoscheuen Geschäftsführung und einem ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von John Carmody
Herr Kwiecien, niemand hat Don Giovanni in den letzten Jahren an so vielen Opernhäusern gesungen wie Sie. Wissen Sie, wie oft?
Annähernd hundertmal, in rund zwanzig verschiedenen Produktionen. Will sagen: Der Don Giovanni ist nichts Neues mehr für mich.
Das klingt nach Routine.
Nun ja, wenn ich diese Partie in Paris, Bilbao oder München singe, mache ich zunächst mal...
Eines ihrer persönlichsten Projekte der letzten Jahre war 2002 die CD «Ninna Nanna»: achtzehn Wiegenlieder aus zwölf Ländern, in denen sich ihr warmer, sparsam vibrierender Sopran mit jener Menschlichkeit, jenem Engagement für Menschen verband, das ihr Markenzeichen war.
Montserrat Figueras stammte aus einem musikalischen Elternhaus. 1942 wurde sie in Barcelona...
Vor einigen Jahren erfüllte sich Ronald Stanton einen außergewöhnlichen Wunsch. 1987, mehr als zwanzig Jahre zuvor, hatte der New Yorker Geschäftsmann einen Opernabend erlebt, der sein Leben veränderte: die Aufführung von Jean-Baptiste Lullys Oper «Atys», mit der Frankreich damals den 300. Todestag des Komponisten würdigte. Nun, mit über 80, wollte Stanton diesen...
