Welt am Draht
Am Anfang ist Alcinas geheimnisvolles Inselreich – ein virtuelles Gefängnis, durch Stromdrähte gesichert – noch mit Plastikplanen verhüllt, die sich als stilisierte Meereswogen deuten lassen. Dann reißt der liebeskranke Orlando auf der Suche nach Angelica zu seiner «Nel profondo»-Arie die Sperren ein – um in die Fänge der in einem Ganzkörper-Schuppenkleid steckenden Zauberin zu geraten. Am Ende verabschiedet sich der dem Wahnsinn gerade noch entkommene «Rasende Roland» plötzlich auf Deutsch aus dieser Scheinwelt und geht langsam durch den Zuschauerraum ab.
Roland Schwabs spannende Inszenierung gewinnt nach der Pause dank geschickter Striche an Fahrt und Intensität. Der Regisseur begnügt sich nicht mit einer Nacherzählung der verwirrenden Geschichte, sondern nimmt uns mit auf eine verstörende Reise, während derer schon mal zwei in den Drähten hängende Geiger schräge Töne von sich geben oder eingespielte Science-Fiction-Filmmusiken die Klänge Vivaldis gefrieren lassen. Wenn Orlando schließlich, von vier schwarzen Schatten begleitet, zum Gewitter aus den «Vier Jahreszeiten» und dem berühmten «La Follia»-Thema tanzend alles um sich zerstört, beinahe auch sich selbst, attackiert dieser ...
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Die erste Schallplatte eines vollständigen Bühnenwerkes galt 1907 der «Fledermaus», sicher mehr die Verbeugung vor einem einzelnen Meisterwerk als vor der Gattung Operette. Der aufstrebende Hörfunk pflegte das Genre dann aber sehr. Vieles, was alte Kataloge der Reichsrundfunkgesellschaft verzeichnen, dürfte es nicht mehr geben, doch kamen immerhin eine «Fledermaus»...
Mit ihrer Entscheidung für «La resurrezione», Oratorio in due parti, haben die Karlsruher zum 30. Jubiläum ihrer Händel-Festspiele eins der schwächeren Werke Händels als Hauptbeitrag gewählt. Komponiert vom Dreiundzwanzigjährigen auf seiner zweiten Rom-Reise 1708, gehört diese «Auferstehung» zu jener Spezies der «Opera proibita», die während des von Papst Innozenz...
Der mächtigste Mann im größten Opernbetrieb der Welt schmunzelt süffisant. Er habe sieben Gewerkschaften, lässt er uns während der Pause in einer Bühnengasse der Opera Bastille wissen. Fast klingt es, als spräche er von sieben Liebhabern. Und als sei alles ganz normal, nämlich so, wie es mit Liebhabern eben ist: Für die meisten bleibt Nehmen seliger als Geben;...
