Pariser (Opern)Leben
Der mächtigste Mann im größten Opernbetrieb der Welt schmunzelt süffisant. Er habe sieben Gewerkschaften, lässt er uns während der Pause in einer Bühnengasse der Opera Bastille wissen. Fast klingt es, als spräche er von sieben Liebhabern. Und als sei alles ganz normal, nämlich so, wie es mit Liebhabern eben ist: Für die meisten bleibt Nehmen seliger als Geben; einige können schnell biestig werden; andere spielen sich immerzu in der Vordergrund; jeder will die Nummer eins sein und am allerbesten behandelt werden. Gerard Mortier wirkt dennoch bewundernswert gelassen.
Ja, das Licht und die Requisite, die würden heute streiken. Deshalb müsse er jetzt selbst sehen, ob alles am richtigen Platz liege. Sagt’s und entschwindet ins Dunkel der Seitenbühne.
Seit Tagen war unklar, ob diese Premiere stattfinden würde. Erst machte sich der Gewerkschaftsprotest am neuen Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden fest. Dann ging es um Gehaltserhöhungen. Mit offensivem Charme gelang es Mortier, viele Wogen zu glätten. Am Abend geht dann der Lappen hoch, aber die Bühne ist düsterer als geplant. Ein einziger Streikbrecher versucht, so viel Licht zu steuern wie möglich, während seine Kollegen Scheinwerfer ...
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