Weihrauch, Absinth und ein großes Herz
Die Kuppel über der Bühne in der Londoner Wigmore Hall, dem inoffiziellen Mekka des Liedgesangs, ziert eine sympathisch kunstgewerbliche Allegorie der Künste, wobei die zentrale Figur die Seele der Musik symbolisiert und der Feuerball über ihr den Genius der Harmonie versinnbildlicht. Das Bild hat sich bei vielen Besuchen so selbstverständlich in die Erinnerung gegraben, dass man es vor Ort gelegentlich gar nicht mehr wahrnimmt – wenn nämlich die Darbietungen darunter die Konzentration völlig absorbieren.
Wie an jenem Juliabend vor zwei Jahren, als Christiane Karg und ihr Klavierbegleiter Malcolm Martineau dort einen magischen Teppich mit Liedern und mélodies von Strauss, Wolf, Berg, Debussy, Poulenc und Fauré ausbreiteten. Der nun erschienene Live-Mitschnitt jenes Konzerts bestätigt die Erinnerung an ein Ausnahmeereignis. Christiane Karg ist quasi der weibliche Gegenpart zu Christian Gerhaher: Besseres bekommt man zumindest im Genre Lied derzeit kaum zu hören (wie schade, dass Gerhaher Wolfs «Italienisches Liederbuch» vor einigen Jahren nicht mit Karg aufgenommen hat; das Resultat wäre der Vollkommenheit vermutlich nahe gekommen). Die Sopranistin singt mit wunderbar ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.
Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen –...
Es heißt ja immer, Sänger seien so entsetzlich dumm. Ich will auch gern zugeben: Nicht jeder Kollege ist so helle, dass man eine Sonnenbrille braucht. Trotzdem ist das Klischee nicht fair. Viele Sänger, die ich kenne – vor allem viele Sänger, die ich nicht bloß kenne, sondern auch mag – waren auf der Uni. Nicht, um Gesang zu studieren. Vier sind fähige...
Zwei sehr verschiedene Stücke hat man da in Episoden zerlegt und in der Werkstatt der Berliner Staatsoper zu einem Doppelabend verschränkt: Janáceks Liederzyklus «Tagebuch eines Verschollenen» und Poulencs Tragédie lyrique «La Voix humaine». In der kargen, aber enthusiastisch musizierten Klavierfassung (Leitung und Klavier: Günther Albers) geht das erstaunlich gut...
