Warnender Rückblick

Ian Bostridge und Antonio Pappano erinnern mit ihrem Album «Requiem» an kriegsgezeichnete Lieder von Gustav Mahler, Rudi Stephan, George Butterworth und Kurt Weill

Sie sind zwar bloß aus Papier oder Plastik, doch sie bergen tiefe Gefühle: Alljährlich im November stecken Briten sich im Gedenken an die Verheerungen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts Mohnblüten ans Revers. Der 11. November (an dem im Jahr 1918  der Erste Weltkrieg endete) ist «Remembrance Day», informell auch «Poppy-Day» genannt, in Anlehnung an das Gedicht «In Flanders Fields» von John McCrae, in dem das intensive Rot der Mohnblüte zum Symbol für das millionenfach vergossene Blut auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs wird.

Auch hochbegabte junge Künstler auf beiden Seiten waren Opfer dieses wahnsinnigen  Kriegs – der Engländer George Butterworth etwa, gerade 31, gestorben 1916 an der Somme. Oder auch Rudi Stephan, den viele für die größte deutsche Zukunftshoffnung hielten; er starb 1915 bei Ternopil, Ukraine, mit 28 Jahren.

In unserer Zeit fokussierter Unintelligenz scheint der warnende Rückblick auf jene verheerenden Ereignisse unabdingbarer denn je, auch und vor allem durch die Kunst, wenngleich diese sich gegenüber der politischen und sozialen Realität häufig ziemlich ohnmächtig fühlt. In diesem Sinne hat Ian Bostridge, der intellektuelle Tenor-Barde aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Don Giovanni bei den Corsinis

Das Tor geöffnet, die Allee flankiert von Abendpersonal, Zelten, Bars und fern sichtbar die Tribüne vor dem Palazzo: Der Festival-Besucher tritt in eine andere Welt. Und das in zweifacher Hinsicht. Der Giardino Corsini al Prato, stilechter italienischer Barock, befindet sich im Herzen von Florenz und entführt in ein Zauberreich aus Statuen, frisierten Hecken,...

Impressum November 2018

59. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752316

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opern...

Im Furor bei sich

Inge Borkh war die letzte Überlebende jener beeindruckenden Sopranistinnen-Riege, die zwischen 1950 und 1970 die Opernbühnen beherrschte. Wie keine zweite Sängerin, deren Kunst auf Tondokumenten festgehalten ist, war sie die Inkarnation von Strauss’ Elektra, einer Partie, die sie mehrere hundert Mal sang. «Frenetische Leidenschaft, erhabene Liebe, fantastischer...