Wa(h)re Liebe

Stefan Herheim setzt seine phantasmagorische «Ring»-Forschung an der Deutschen Oper Berlin mit dem «Rheingold» fort, Donald Runnicles verwaltet den musikalischen Part

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Die Götter tragen Weiß. Blütenreines, blitzsauberes Weiß. Sieht wirklich gut aus: schick, elegant, lässig. Vielleicht ein bisschen überkandidelt. Aber Götter dürfen dergleichen. Gilt doch für sie, mehr noch als für uns Irdische und ihrem Selbstverständnis nach die von Immanuel Kant in seiner «Kritik der reinen Vernunft» entwickelte Idee, derzufolge Raum und Zeit nur die Formen unserer Anschauung, unserer Sinnlichkeit, unseres Erkennens sind.

Und so erscheinen dieser divinen Jeunesse dorée die Dinge in Raum und Zeit eben nur so, wie sie diese definieren: als Entitäten, mit denen man nach Belieben verfahren kann.

Bei Stefan Herheim haben sie damit natürlich wenig Glück. Der Regisseur liest ihnen in seiner «Rheingold»-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin kräftig, aber augenzwinkernd und lustvoll die Leviten, so als wolle er sagen: Sind auch nur endliche Wesen. Angefangen mit Wotan. Dessen aristokratische Arroganz, die Derek Welton stimmlich wie darstellerisch mit der größten Glaubwürdigkeit vermittelt, kriegt im Verlauf des Abends so viele Kratzer ab, dass er am Ende doch relativ ramponiert (und vermutlich, um Erda zu suchen) in eben den Souffleurkasten hinabsteigt, aus dem die ...

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Opernwelt August 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten

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