Wahn, Sinn und Methode
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm vorgaukelt, die Welt, in der er sich bewegt, sei womöglich eine bessere. Dass sie das nicht zwingend ist, muss auch der tapfere Tannhäuser einsehen.
Zwar hat er im Venusberg schon allerlei sinnliche Freuden genossen, dennoch sagt ihm eine innere Stimme (womöglich die der platonischen Vernunft?), dies sei womöglich noch nicht die Ultima ratio. Es muss etwas anderes geben als die profane Lust; um danach zu suchen, beschließt der Titelheld in Wagners Oper, sich von der Göttin der Liebe loszureißen. Drei Anläufe unternimmt er, um ihren Fängen zu entkommen. Und je entschiedener Venus ihm den Austritt aus dem Reich der Ekstasen zu verwehren sucht, umso drängender wird sein Verlangen: Aus dem (heiligen?) Des-Dur in der ersten Strophe rückt Tannhäuser, von sanften Harfenklängen begleitet, chromatisch vor, erst zu D-Dur und ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten, Markus Thiel, Gina Thomas, Stephan Mösch, Peter Krause
TV, STREAMS, KINO
arte
05.07. – 13.45 Uhr
Enrico Caruso – Die ewige Stimme
Das Leben Enrico Carusos verlief ähnlich melodramatisch wie die Handlung zahlreicher Opern. Die Verbreitung seiner luziden Stimme durch die Schallplatte machte den Tenor zu einem der ersten internationalen Stars der Szene. Die Dokumentation spürt dem Mythos nach.
13.07. – 23.10 Uhr
Erik...
Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger...
Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory». Das Leitungsduo des Hauses an...
