Wahn, Sinn und Methode
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm vorgaukelt, die Welt, in der er sich bewegt, sei womöglich eine bessere. Dass sie das nicht zwingend ist, muss auch der tapfere Tannhäuser einsehen.
Zwar hat er im Venusberg schon allerlei sinnliche Freuden genossen, dennoch sagt ihm eine innere Stimme (womöglich die der platonischen Vernunft?), dies sei womöglich noch nicht die Ultima ratio. Es muss etwas anderes geben als die profane Lust; um danach zu suchen, beschließt der Titelheld in Wagners Oper, sich von der Göttin der Liebe loszureißen. Drei Anläufe unternimmt er, um ihren Fängen zu entkommen. Und je entschiedener Venus ihm den Austritt aus dem Reich der Ekstasen zu verwehren sucht, umso drängender wird sein Verlangen: Aus dem (heiligen?) Des-Dur in der ersten Strophe rückt Tannhäuser, von sanften Harfenklängen begleitet, chromatisch vor, erst zu D-Dur und ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten, Markus Thiel, Gina Thomas, Stephan Mösch, Peter Krause
PERSONALIEN | MELDUNGEN
JUBILARE
Am 10. Juli feiert die Sopranistin Helen Donath ihren 85. Geburtstag. Die US-Amerikanerin absolvierte eine Gesangsausbildung in ihrer Heimat Texas und in New York, 1961 wurde sie Mitglied des Opernstudios der Oper Köln und trat als Wellgunde auf in Wagners «Rheingold» unter Wolfgang Sawallisch und in der Regie von Wieland Wagner....
Ein Orchester geht in Aufstellung. Die Streicher nach vorne, dahinter Blech- und Holzbläser, die Pulte akkurat im Halbkreis aufgereiht. Es erklingen die ersten Takte von Beethovens «Eroica». Da geschieht das Unerwartete: Eine Geigerin reißt ihr Notenblatt vom Pult. Andere folgen ihrem Beispiel. Immer mehr Notenblätter wirbeln durch die Luft, immer mehr Pulte fallen...
Nicht bloß Johann Strauss, der Walzerkönig, sondern auch ein vermeintlicher König der Intrigen kommt 2025 zu Ehren. Denn Antonio Salieri, vor 275 Jahren in Legnano geboren und vor 200 Jahren in Wien verstorben, hat bis heute keine gute Presse. Auch Peter Shaffer und Miloš Forman förderten die Vermutung, der eifersüchtige Salieri habe seinem jüngeren Konkurrenten...
