Vorhof der Sprache
Selbst schuld, wer im Parkett sitzt. Man wird zwar gesehen, sieht aber keineswegs optimal, speziell bei dieser Monteverdi-Produktion im Haus für Mozart. Denn die «Szenen wie in der Sixtinischen Kapelle», von denen Jan Lauwers in Zusammenhang mit seiner Sicht auf «L’incoronazione di Poppea» sprach, erschließen sich fast ausschließlich den Zuschauern im Rang: Leiber über Leiber auf dem Bodentuch, verfertigt in der Art Michelangelos und seiner Zeitgenossen. Im Zentrum ein kleines kreisrundes Podest, auf dem sich den ganzen Abend lang Tänzer drehen wie Brummkreisel.
Einander abwechselnd, solistisch, solipsistisch, autistisch. Aber – um dieses modische Unwort mal zu gebrauchen – nachhaltig. Und immer im Uhrzeigersinn. Als Repräsentanten der Realzeit sozusagen, die fiktive Bühnenzeit konterkarierend. Aber auch als Symbol für die Unerbittlickeit des Geschehens.
Rechtsdrehend also. Dass dahinter eventuell der Kalauer stecken könnte, Politik bewege sich im Kreise – und im Moment auch deutlich rechts herum –, möchte man Lauwers, dem Universalbühnenmenschen mit Tanztheaterschwerpunkt, nicht unterstellen. Auch wenn er in einer Pressekonferenz forderte, Kunst müsse eine Antwort geben auf ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Wiederentdeckung eines Meisterwerks – oft ist diese Formulierung nicht viel mehr als PR-Hype. Auf diesen «Arminio» aber, eine Partitur aus dem Jahr 1706, die Rinaldo Alessandrini im Archiv der Habsburger Hofkapelle aufgestöbert hat, trifft sie durchaus zu. Nicht so sehr wegen der Form: Das Stück erfüllt alle Kriterien der feste teatrali, die am Wiener Hof damals...
Und plötzlich ist alles anders. Der Genuss des Genießens hat ein Ende, die zuvor quietschbunte Welt des Rokoko, die sich verwandelt sah in eine Commedia dell’arte-Arena voller Irrationalitäten, steht still. Jetzt hat die Musik das Wort. Präziser: eine Frau, die ehrlich nichts anderes mehr empfinden kann als die necessità del cuore, höchste Herzensnot. Also erfleht...
Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen...
