Vom Winde verweht

(Kunst-)Botschaft an symbolischem Ort: Die Israeli Opera spielt Verdis «Nabucco» am Fuß des Masada Felsens

Opernwelt - Logo

Sie kamen von Nordosten, aus Jerusalem. Sie kamen zu Tausenden, bewehrt mit Schilden, Steinen, Waffen. Jeden, der die römischen Soldaten sah, die kurz zuvor, im Jahre 70, den Zweiten Tempel in der heiligen Stadt zerstört hatten, musste augenblicklich die Gewissheit ergreifen, dass sie den hoch aufragenden Masada-Felsen erobern wollten – um jeden Preis. Lange schon waren ihnen die jüdischen Rebellen,  die dort oben ihr Dasein fristeten, umgeben von einer Palastanlage, die sich König Herodes im Schweiße vieler Angesichter hatte errichten lassen, ein Dorn im Auge.

So setzten sie alles daran, hinaufzukommen auf das hoch gelegene Plateau. Gut zwölf Monate dauerte die Belagerung durch die von Flavius Silva angeführte Zehnte Legion. Dann gelang es den Angreifern, die Festung über eine Rampe zu stürmen. Als die rund eintausend Verteidiger dessen gewahr wurden, entschieden sie sich – nachdem ihr Anführer eine bewegende letzte Rede gehalten hatte – zu einer martyrischen Tat. Kollektiv nahmen sie sich das Leben, um nicht in die Hände der heidnischen Imperatoren zu fallen.

So steht es geschrieben bei Flavius Josephus. Und so wird es überliefert, bis heute. Den Juden Israels gilt Masada deswegen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Reportage, Seite 68
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Emmas Geist

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wer die übelsten Ausgeburten des Opernunsinns diskutiert, landet schnurstracks bei Webers «Euryanthe». Was die unglückselige Helmina von Chézy da zusammendichtete, ist der Libretto-GAU par excellence, der größte anzunehmende Unfall. Wie die engelgleiche Titelheldin von dem Intrigantenduo Eglantine/Lysiart aufs...

Gleichgewicht des Verrats

Der Irrweg eines gefeierten, dann vergessenen oder verschollenen, schließlich neu ausgegrabenen Künstlers oder Werkes kann faszinierend sein. Es muss jedoch in der ästhetischen Subs­tanz der Stücke ein Mehrwert zugrunde liegen, der die Menschen in ferner Vergangenheit hinriss und nun den Nerv erneut trifft. Ob das bei Simon Mayr (1763-1845) auf Dauer der Fall sein...

Reflektierter Spaß

Von George Bernard Shaw wird erzählt, dass er sich im Lesesaal des Britischen Museums gleichzeitig über zwei Werke beugte, über «Das Kapital» von Karl Marx und über die «Tristan»-Partitur von Richard Wagner. Der Sozialist Shaw wollte in Wagner einen Rebellen gegen den kapitalistischen Zeitgeist erkennen. In der überraschenden Einleitung von Nicolas Stemanns...