Emmas Geist
Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wer die übelsten Ausgeburten des Opernunsinns diskutiert, landet schnurstracks bei Webers «Euryanthe». Was die unglückselige Helmina von Chézy da zusammendichtete, ist der Libretto-GAU par excellence, der größte anzunehmende Unfall.
Wie die engelgleiche Titelheldin von dem Intrigantenduo Eglantine/Lysiart aufs Widerlichste verleumdet wird und ihr Ritter Sturkopf namens Adolar darauf hereinfällt und wie sich im allerletzten Augenblick doch alles zum Guten wendet: Das ist, allen Rehabilitationsgedanken der Wissenschaft zum Trotz, sowohl in puncto Dramaturgie wie in puncto Wortwahl Zeile für Zeile unüberbietbarer – pardon: Stuss. Und: das Musterbeispiel, wie ein im Grunde epochemachendes Meisterwerk zu Fall, weil um seine musikgeschichtliche Wirkung gebracht wird.
Das Beste, das man über die Karlsruher Bemühung unter Christoph Gedschold sagen kann: Er lässt bereits die Ouvertüre konzis gerafft ablaufen und deckt den musikdramatischen Rang des Werks auf: die farben- und kontrastreichen Orchesterpartien zwischen Depression und Jubel, die grellen Störtöne unter der Oberflächenpolitur, die Vertiefung der Musik in den Largo-Augenblicken, die ...
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Im April schloss sich mit «Götterdämmerung» an der Los Angeles Opera der erste «Ring»-Zyklus in der Geschichte der Stadt. Mit vorausschauendem Blick auf drei komplette «Ring»-Aufführungen im Mai und Juni dieses Jahres waren die einzelnen Teile der Tetralogie zwischen Februar 2009 und April 2010 einstudiert. Natürlich ist ein solches Unterfangen stets das Werk...
Hans Knappertsbusch und München – das war ein langes, teils verworrenes und nicht immer unproblematisches Verhältnis. 1922 übernahm er, als Nachfolger Bruno Walters, die musikalische Leitung der Bayerischen Staatsoper, die er – politisch bedingt – 1937 wieder aufgeben musste. Nach dem Krieg kehrte er 1945 für kurze Zeit in sein altes Amt zurück, bevor man ihm eine...
«Solange ich noch über ein wenig Atem verfüge, werde ich singen», verkündete Giuseppe Taddei zuversichtlich, als er 90 wurde. Da lag sein Abschied von der Bühne gerade drei Jahre, sein Debüt bereits stattliche sieben Jahrzehnte zurück. In Rom war es, im Sommer 1936, als er als Heerrufer im «Lohengrin» neben Beniamino Gigli zum ersten Mal die Szene betrat. Die...
