Viel Lärm um nichts
Keine Frage: Als gute, alte Tante wird die Oper das 21. Jahrhundert allenfalls im Museum überleben. Wenn immer nur die gleichen fünfzig oder sechzig Stücke den Spielplan prägen, ist die Mumifizierung der Gattung vorprogrammiert. Da kann die post-dramatische Regie noch so kühn Händel und Mozart, Verdi und Wagner oder Puccini und Strauss auseinandernehmen – der Anschluss an die gelebte Gegenwart dürfte kaum gelingen, wenn der Sinn für die Historizität des Kanons und dessen Vitalisierung durch neue (Meister-)Werke verloren ginge. Bis zum frühen 20.
Jahrhundert war die Sphäre des Kernrepertoires noch ein offener Park, auf dem, von kundigen Gärtnern und Freizeitbotanikern aufmerksam, mitunter auch naserümpfend gehegt, neben altem Holz merkwürdige Junggewächse gediehen, deren Duft den Tag überdauerte. Frische Triebe brechen natürlich nach wie vor aus dem Boden, heute vielleicht mehr als je zuvor. Doch kaum einer scheint sich vom Dickicht so deutlich abzuheben, dass man von atemraubenden, unwiderstehlich verstörenden, gar zeitlos schönen Formen einer unbekannten Spezies sprechen würde. Das meiste wuchert flach am Boden, Grünzeug und bunte Blümchen für den Hausgebrauch, mit Kunstdünger ...
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Nichts liegt näher in Verdis «Un ballo in maschera» als die Assoziation mit dem Totentanzmotiv – das Leben, ein bewusstloser Tanz in den Abgrund. Statt des Mondänen das Makabre: Diese Akzentuierung war selten so überdeutlich zu erleben wie in Tatjana Gürbacas detailreicher, fast choreografisch präziser, freilich auch überladener Neuinszenierung am Staatstheater...
Auch im Jahr von Friedrich II. 300. Geburtstag bleibt es schwer zu fassen: das Ineinander von Vernunft und Verwüstung, Kunst und Kadavergehorsam, Schöngeistigkeit und Menschenverachtung, das zu seinem Preußen gehört. Wurde dieses Preußen – es ist eine alte Frage – in einer Kanonenkugel ausgebrütet? Oder doch in einem aufgeklärten Kopf? Schon als junger Mann wollte...
Seit 2010 leitet Gerard Mortier das Teatro Real in Madrid. Sein Ziel: Die spanische Hauptstadt soll von der Peripherie ins Zentrum der europäischen Opernlandschaft rücken. Doch die Bedingungen auf der iberischen Halbinsel haben sich dramatisch verschärft. Jeder fünfte Spanier ist arbeitslos, die öffentlichen Haushalte sind überschuldet, die Hoffnungen auf eine...
