Ein Herz und eine Seele? Evelin Novak (Gretel) und Natalia Skrycka; Foto: Kuelker/drama-berlin
Verpuppt
Die schöne Unbekannte liegt im Halbfeld links, gefährlich nah am Rand. Goldglänzendes Cocktailkleid, eine rote Einstichstelle nahe dem Herzen. Niemand, der sie beachten würde; anscheinend gehört das Sterben zum Geschäft, ist Teil der Staatsräson, Kollateralschaden. Wer die Tote ist, erfahren wir auch in den folgenden dreieinhalb Stunden nicht, können es nur vermuten. Vielleicht eine Vorgängerin Ottavias. Oder eine unliebsame Konkurrentin der Kaiserin. Neben ihr ein blecherner Putzeimer. Kein schönes Bild.
Aber eines, das auf die grundsätzliche Idee verweist, mit der Eva-Maria Höckmayr ihre Inszenierung von Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» auf ein Libretto von Giovanni Francesco Busenello in der Berliner Lindenoper versehen hat. Menschen, so die (im Folgenden stichhaltig belegte) These, sind nur Puppen, aufgeladen mit Sinn und Sinnlichkeit. Nicht aber mit Subjektivität. Sie alle hängen am Draht einer höheren Instanz, die persönliche Freiheit nur da zulässt, wo es dem Politischen dient. Oder der Leidenschaft eines Einzelnen. Selten beidem.
Und so stehen sie wie aufgepflanzt da, die Protagonisten, auf dem ockermetallic schimmernden Boden der Tatsachen, der sich zur ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Mehr als 100-mal habe ich in Brittens «Midsummer Night’s Dream» auf der Bühne gestanden! Wenn nicht 200-mal – mir fehlt längst der Überblick. So oft jedenfalls, dass meine Bücher nach einer Figur aus dem «Sommernachtstraum» benannt sind («Who’s my Bottom?» und «Scraping the Bottom»). Es gibt Menschen, die mich deshalb für einen Fachmann halten. Und doch habe ich,...
Zweimal an diesem Abend beginnt sich der Tunnel spektakulär zu drehen: am Ende von «Il tabarro», wenn der getötete Nebenbuhler wie am Fleischerhaken rotiert, und am Schluss von «Suor Angelica», wenn die Titelheldin ihr totes Kind pathosaffin im Himmel kreisen sieht. Nur in «Gianni Schicchi» hängt, welche Ironie, der Tote schon friedlich von der Decke, auf dass die...
Die Pläne waren längst fertig: Das Theater Vorpommern, das seit 1994 Putbus, Stralsund und Greifswald bespielt, sollte ab 2018 weiter fusionieren mit den Bühnen Neubrandenburg und Neustrelitz in Ostmecklenburg. In Greifswald sollte die Generalintendanz des neuen «Staatstheaters Nordost» sitzen, geführt von Dirk Löschner, dem gegenwärtigen Intendanten des Theaters...
