Vermintes Terrain
In der Musik das Leben der Tschechen!» Bedřich Smetanas Motto markiert schlaglichthaft die Verbindung von Nation und Tonkunst. So schön dies auch klingen mag, so unvermeidlich führt die Formel auch auf vermintes Terrain: das der «Völkerpsychologie» – fatal, weil hier Halbfalsches und Halbwahres ineinandergreifen, wobei gerade Letzteres oft sogar gefährlicher ist. Erst im 19. Jahrhundert wurden Nationen mit unverlierbaren Eigenschaften, sprich Vorurteilen assoziiert. Der und das «Deutsche» sollten fundamentale Identifikation stiften, als Abgrenzung vom «Anderen».
Ausgerechnet in der menschheitsverbindenden Musik florierten die gegensätzlichen Zuordnungen. Italien, Frankreich, Russland avancierten zu «Musiknationen», komplex kodiert durch Institutionen der Hochkultur, prägende Komponisten und vitale Folklorepflege. Die Mischung, auch Eigenständigkeit, sah von Land zu Land anders aus. Holland und England etwa galten nicht unbedingt als Dorado autochthoner Komponisten.
Ähnliches kann man von der Schweiz sagen. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig: Es fehlten feudale Residenzen, höfische Kunstrivalität, auch der zentralistische Sog einer mächtigen Hauptstadt sowie eine einheitlich ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Gerhard R. Koch
Tschaikowsky hielt sie für seine beste Oper – und das will etwas heißen bei diesem stets an sich selbst zweifelnden Komponisten: «Tscharodeika» oder «Die Zauberin» aus dem Jahre 1887 (genau genommen müsste der deutsche Titel eigentlich «Die Bezaubernde» lauten), ein Werk, das (fast) niemand kennt. Nun die französische Erstaufführung in Lyon: eine Wucht! Zwar...
Spätestens seit die USA vor drei Monaten aus dem INF-Vertrag über die Stationierung von Mittelstreckenraketen ausgestiegen sind, ist offensichtlich, dass mit dem Zerstörungspotenzial der Atombombe zwischen den Großmächten inzwischen wieder so unverhohlen gedroht wird wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Diese nach wie vor bestehende tagespolitische Relevanz ist nur...
Ein niedliches Dorf nistet zwischen grünen Hügeln, die Häuschen dicht an die Kirche geschmiegt. In Anthony McDonalds «Werther»-Inszenierung sorgt der durchscheinende Prospekt im Portal vor jedem Aktbeginn für Kontext: ein Ort so wohlgeordnet, so hell und überschaubar, dass heimliche Liebe unmöglich ungesehen bleiben kann. In dieses Bild wird das Haus des Amtmanns...
