Verlorene Seelen im Setzkasten
Ein Mann begegnet eines Tages jemandem, der genauso aussieht, wie er selbst – seinem Doppelgänger. Von Stund’ an wird der Titularrat Goljadkin im zaristischen Russland zum Objekt einer Bewusstseinsspaltung, die ihn schließlich in den Wahnsinn treibt. Soweit die Geschichte in Fjodor Dostojewskis Roman «Dvojnik» («Der Doppelgänger») von 1846. Eine Dystopie, schon deshalb waren die Reaktionen bei Dostojewskis Zeitgenossen kühl. Dabei ist es letztlich gar nicht so entscheidend, ob es um voranschreitende Schizophrenie geht.
Oder um die Fallstudie eines von der Gesellschaft in die Isolation getriebenen Menschen. Um Entfremdung.
Letztere dürfte die Entstehungsgeschichte der gleichnamigen, von den Schwetzinger SWR-Festspielen und dem Theater Luzern koproduzierten Oper in der Corona-Zeit tangiert haben. Die Komponistin Lucia Ronchetti und die Schriftstellerin Katja Petrowskaja (die mit dem «Doppelgänger»-Text ihr erstes Opernlibretto präsentiert) berichten, wie die Isolation in der Zeit der Lockdowns ihre Zusammenarbeit aus der räumlichen Distanz geprägt hat. Und tatsächlich ist die Sprache der ehemaligen Bachmann-Preisträgerin eine für sie eher untypische. Ganz im Unterschied auch zu ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Alexander Dick
Donizettis Tudor-Trilogie hat Konjunktur: Die Opernhäuser in Genf und Zürich haben sie unlängst produziert, in Brüssel lief ein Pasticcio-Doppelabend sogar aus vier Donizetti-Opern, die um die erste langlebige Königin Elisabeth Englands kreisen – mit Material aus «Il castello di Kenilworth». In Zürich stand Enrique Mazzola am Pult, der nun mit «Roberto Devereux»...
JUBILARE
Neil Shicoff wurde in New York geboren und studierte an der Juilliard School of Music. Sein Debüt gab der Tenor 1975 in Cincinnati in der Titelrolle von Verdis «Ernani» unter dem Dirigat von James Levine. Ein Jahr später stand er erstmals auf der Bühne der Metropolitan Opera. Engagements an der Mailänder Scala, Londons Royal Opera House, dem Gran Teatre...
Mit seinen mehr als 500 Liedern zählt Hanns Eisler zu den produktivsten und zugleich originellsten Vokalkomponisten des 20. Jahrhunderts. Ins allgemeine Bewusstsein gedrungen ist der abtrünnige Schönberg-Schüler und bekennende Marxist aber nur als musikalischer Mit -arbeiter Bertolt Brechts. Mit dem Sieg des realen Turbo-Kapitalismus über den Phantom-Sozialismus...
