Vergnüglich
Jules Massenets lange – wie die Titelfigur – ein wenig vernachlässigte «Cendrillon» scheint sich zu einem heimlichen Hit der Saison zu entwickeln. Nach Aufführungen in Paris und Wien wird seinem Aschenbrödel ab Juli auch in London der gläserne Schuh angepasst. Und das dann in einer komisch effektvollen Inszenierung aus Santa Fe, die nächste Spielzeit nach Brüssel weiterreist.
Als gute Fee für das reizvolle, im dritten Akt ein wenig sentimental-langatmige Werk agiert hier an wechselnden Orten freilich ein dirigierender Tanzbär: der sich mit seinen Musiciens du Louvre bis ans Ende des 19. Jahrhunderts vorantastende Marc Minkowski. Er liebt das Stück, will es aber weder mit Zuckerwatte verkleben noch in süßlichem Kitsch ersäufen. Mit ruppigem Blech und gespitzten Streichern erden er und seine fabelhaften Musiker diese feinsinnige, manchmal auch tranige Partitur und spitzen sie zu. Aus zuckrigem Lyrismus wird so bisweilen komisch robuster, durchaus trompetendröhnender Offenbach. Das ähnelt mal ein wenig klapperndem Mendelssohn-Feenspuk, dann wieder mürbem Konfekt.
Massenet, Chronist und Verklärer des Fin de Siècle, nannte seine1899 uraufgeführte «Cendrillon» «Conte de fées» ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Manuel Brug
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh...
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit...
Von Stockholm sind es noch mal 500 Kilometer Luftlinie nach Norden. Umeå, die Hauptstadt der schwedischen Provinz Västerbotten, liegt zwischen dem 63. und 64. Breitengrad, auf einer Höhe etwa mit Reykjavik. Wer hier morgens mit dem Auto losfährt, ist mittags am Polarkreis. Für 2014 wurde Umeå zur Kulturhauptstadt Europas gewählt (zusammen mit Riga). Deshalb werden...
