Verdi: Nabucco
Verliebt habe sie sich in das Magdeburger Ensemble, strahlt Vera Nemirova im Foyer. Deshalb sei sie zur dritten Vorstellung extra noch einmal für einen Grillabend angereist. Glückliches Magdeburg.
Denn Nemirovas Chor- und Personenregie stimmt. Der Politbüro-Chic ihres Bühnenbildes (von Tom Musch) gibt dem Babylonier-Schinken den kühlen Charme einer sozialen Parabel. Als working girl einer karrieristischen Arbeitswelt greift Büroamazone Abigaille nach der Tyrannei. Sie peitscht Untergebene auf dem Schreibtisch aus und steht danach für Interview-Anfragen bereit.
(Kleine Bitte am Rande: Kamera-Teams, auch wenn sie von «BNN» kommen, sollten in zeitgenössischen Inszenierungen endlich Auftrittsverbot erhalten.)
Nachdem sie den Senior-Chef Nebukadnezar aufs hospitalisierte Altenteil abgeschoben hat, strauchelt sie als Chef-Furie dem eigenen Giftselbstmord zu. All das funktioniert umso besser, als ein musikalischer Hackklotz von der Härte des frühen Verdi Nemirovas Pranke lustvoll Widerstand bietet. So entsteht eine ebenso flexible wie bestrickende Neudeutung des Abonnenten-Schmachtfetzens. Den Gefangenenchor, Höhepunkt jedes «Nabucco», lässt Nemirova im Publikum singen. Passanten von ...
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