Titus Engel; Foto: Agentur/Kaupo Kikkas
Jenseits der Geschichte
Zugang zu Musik, zu ihrer Musik, findet sie über Bilder, Metaphern. Allerdings nicht in dem romantischen Sinn, dass Metaphern für etwas stehen – für eine Aktion, Figur oder Stimmung. Es sind keine klaren Bilder, die den Prozess der Klangerfindung steuern. Chaya Czernowin spricht vielmehr von einer Art Infrastruktur, die ihr helfe, tief in unerhörte Sphären, Zusammenhänge einzutauchen, untergründige Beziehungen zu entdecken. In ihrem neuen Stück «Infinite now» treibt die Komponistin die Suche nach dem, was hinter dem Sprechen, Singen, Spielen steht, gleichsam auf die Spitze.
Titus Engel, der die Partitur an der Opera Vlaanderen, am Nationaltheater Mannheim und am Pariser IRCAM einstudierte, erklärt Besonderheiten und Schwierigkeiten der «Uraufführung des Jahres»
Herr Engel, für ihre dritte «Oper» hat Chaya Czernowin ein Schauspiel des flämischen Regisseurs Luk Perceval («Front») und einen Text der chinesischen Schriftstellerin Can Xue («Homecoming») verarbeitet. Berichte von Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs verschmelzen mit den Erlebnissen einer Frau in einem kafkaesken Bedrohungsszenario. Was bedeutet der Titel – «Infinite now» – für Sie?
Es geht um ein «unendliches Jetzt», um die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Vor 450 Jahren kam in Cremona jener Mann auf die Welt, der – so will es die Legende – die Oper erfunden hat: Claudio Monteverdi. Sein 1607 in Mantua geschriebener «L’Orfeo» gilt als Geburtsurkunde des musikalischen Theaters im neuzeitlichen Sinn. Mit «Ulisse» (1641) und «Poppea» (1642) habe er sich als konkurrenzloser Großmeister der jungen Gattung verewigt. Doch...
Die Klage über den Niedergang dramatischer Stimmen ist nicht neu, so wenig wie das Hohe Lied auf die Heroinen und Heroen der Vergangenheit. Eine Birgit Nilsson, ein Jon Vickers und ihresgleichen sind offenbar heute weit und breit nicht in Sicht. Dafür umso mehr Sänger, die – aus eigenem Antrieb oder vom Betrieb gedrängt – Raubbau am eigenen Material treiben....
«Tannhäuser» strotzt von Melodien, die im Ohr haften, von wirkungssicher aufgebauten Chorälen, von einer Hymnik, die Jauchzen und Verzweiflung gleichermaßen umfasst. Er lebt, wie Carl Dahlhaus einmal schrieb, von «tönender Rhetorik». Man könnte auch sagen: Das Stück ist geradezu unverschämt auf Erfolg hin komponiert – und ohne Zweifel Wagners beliebteste Oper....
