Unwiderstehlich

Luke Bedfords brillanter Kammeropern-Krimi «Through His Teeth» in einer Studio-Einspielung der Opera Factory Freiburg unter Klaus Simon

Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014 bestellt hatte. Auf Marlowe oder Goethe, die im Musiktheater über Gebühr Bemühten, hatten die beiden wenig Lust.

Doch was schließlich im Linbury Studio des ROH vorgestellt wurde, hatte dann doch wieder viel mit dem faustischen Spiel um die Wahrheit zu tun.

Eine Frau verfällt einem promiskuitiven Autohändler, der sich als Agent des MI5 ausgibt und sie beinahe um ihre Existenz bringt. Das ist der Plot. Doch aufgerollt wird das Geschehen in 16 kompakt gebauten Dialogen: Das Opfer steht – der Mann schmort mittlerweile im Knast – einer TV-Reporterin Rede und Antwort. Und ringt im Rückblick um die authentische Darstellung der Ereignisse. Heraus kommt dabei ein Mosaik mit Auftritten des Geliebten, der Schwester und vielen Leerstellen. Wie ein offener Episodenfilm ist das Ganze konstruiert, raffiniert und – gerade weil er viel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann