Unterwandert
Vor elf Jahren war’s, bei «Mozart 22», der Gesamtschau zu dessen 250. Geburtstag in Salzburg. Festspielintendant Peter Ruzicka hatte die Idee, das Singspielfragment «Zaide» mit einem heutigen Pendant zu verbinden, die israelische Komponistin Chaya Czernowin lieferte «Adama» hinzu. Der Titel ist eine hebräisch-arabische Worterfindung aus den Begriffen für Erde, Blut und Mutter.
Zu den 17 Mozart’schen Musiknummern, darunter zwei umfängliche Melodramen, kommen elf «Adama»-Fragmente, darunter einige Chornovitäten, die für die Freiburger Neufassung des Regisseurs Ludger Engels erstellt wurden. Sie treiben weiter, was in der Urversion angestrebt war. Nicht einfach Konfrontation, sondern Überlappung, Unterwanderung, Verstörung. Chorgebrabbel, Choraufsässigkeit, Chorunmut bedrängen die Mozart-Nummern. Sie relativieren, korrigieren den Singspiel-Optimismus. Und sie heben die Parallelität der Vorgänge in beiden Werkteilen hervor.
Czernowins Tonsprache ist aufs Äußerste reduziert, ihr Instrumentarium in gleichem Maße aufgesplittert. So nicht Schlagwerk oder tiefes Blech für Unruhe sorgen, werden wir Zeuge einer beinahe in die Tonlosigkeit zurückgenommenen Nuancenkunst – einer Musik, die ...
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58. Jahrgang, Nr 8
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Andrea Kaiser...
Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten...
In der Kunst, den rechten Augenblick zu finden, macht Mara Eggert niemand so leicht etwas vor. «Es kommt oft vor, dass ein Dramaturg sich ein Foto einer bestimmten Szene wünscht, weil dann eine wichtige Textstelle gesungen wird. Aber man kann Bilder ja nicht hören – und optisch deutet nichts auf die Besonderheit des Moments hin.» Sichtbar wird der Moment oft erst...
