Unterschätzt

Siegfried Wagners Märchenoper «An Allem ist Hütchen schuld!»

Opernwelt - Logo

Nicht im Opernhaus, sondern im Audimax der Bochumer Ruhr-Universität hat Peter P. Pachl in Koproduktion mit Deutschlandradio Kultur und der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft dessen Märchenoper «An Allem ist Hütchen schuld!» auf die improvisierte Bühne gebracht und abermals eine Lanze für den unterschätzten Sohn Richard Wagners gebrochen.


Siegfried – wie stets sein eigener Textdichter – hat mit diesem Stück eine fantasievolle und witzige Collage aus mehr als 40 Märchen der Gebrüder Grimm geschaffen, die durch die Liebesodyssee von Katherlies’chen und ihrem Frieder zusammen- und durch die Machenschaften des Kobolds Hütchen, einem Nachfahren von Shakespeares Puck, in Bewegung gehalten wird. Musikalisch erweist sich Wagner dabei als würdiger Schüler und Nachfolger Engelbert Humperdincks, mit dessen populärem «Hänsel und Gretel» sich «Hütchen» ohne Weiteres messen kann. Volkstümliche Einfachheit in Liedern und vor allem Tänzen verbindet sich organisch mit längeren symphonischen Zwischenspielen im spätromantischen Stil. Vor allem im letzten der drei Akte hat die Musik Suchtpotenzial, das die Bochumer Symphoniker unter dem kurzfristig eingesprungenen Dirigenten Lionel Friend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Ich bin ein Waschbär

Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und...

Höllenarbeit

In einer theaterinternen Typologie werden Repertoireopern gern Etiketten aufgeklebt: «Fidelio» und «Freischütz» sind heute immer heikle «Interpretationsfälle», der «Ring» ein Prüfstein, die «Soldaten» eine Herausforderung, die «Lustige Witwe» etwas für die Kasse - und «Hänsel und Gretel» etwas für die ganze Familie. Zur letzten Kategorie gezählt wird häufig  auch...

Klanggedächtnis

Herkulesaufgabe? Sisyphusarbeit? Man darf sich in der Beschreibung von Christian Merlins Jubiläumsgabe zur 175. Wiederkehr des Geburtstags der Wiener Philharmoniker durchaus aus dem Mythos der Antike bedienen. Natürlich könnte man auch Goethe zitieren: «Nur das Leichtere trägt auf leichten Schultern den Schöngeist. Aber der schöne Geist trägt das Gewichtige leicht...