Höllenarbeit
In einer theaterinternen Typologie werden Repertoireopern gern Etiketten aufgeklebt: «Fidelio» und «Freischütz» sind heute immer heikle «Interpretationsfälle», der «Ring» ein Prüfstein, die «Soldaten» eine Herausforderung, die «Lustige Witwe» etwas für die Kasse - und «Hänsel und Gretel» etwas für die ganze Familie.
Zur letzten Kategorie gezählt wird häufig auch Janáčeks «Schlaues Füchslein», weshalb sich mancher Theaterchef wundert, dass nicht selten nach der offiziell anberaumten Orchesterprobenzahl noch Chaos herrscht – man hatte offenbar mit einer leichtbeschwingten Partitur im Gusto von «Peterchens Mondfahrt» gerechnet. In Wirklichkeit gehört das «Füchslein» zu allen erwähnten Typen-Kategorien, betrüblicher Weise aber nicht zu den Kassenschlagern. Eine vorösterliche Aufführung der anspruchsvollen (pausenlosen) Hagener Arbeit zeigte 40 Prozent Platzausnutzung.
An diesem Haus war man sich bewusst, was Einstudierung und Präsentation des Werks bedeuteten. Intendant Francis Hüsers, als Produktionsdramaturg beteiligt, sprach in der Einführung am Abend von einer «Höllenarbeit», die vor allem die musikalische Vorbereitung erzwinge. In der Tat traf das Orchester unter der Leitung von ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Hans-Klaus Jungheinrich
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde. Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in...
Vor einem halben Jahrhundert sind zwei Aufnahmen von romantischen Wagner-Opern entstanden, die den Stempel zweier großer Dirigenten tragen. Rudolf Kempe stand 1967 bei den Bayreuther Festspielen in «Lohengrin» am Dirigentenpult, Otto Klemperer leitete im Jahr darauf in den Londoner Abbey Studios eine Produktion des «Fliegenden Holländers».
Kempe, der im ersten...
Die letzten Wochen habe ich in Glasgow verbracht, als Monsieur Triquet in «Eugen Onegin» an der Scottish Opera. Mein erster Tag ließ sich zunächst gut an. Ich fand den Dirigenten mit ein paar Korrepetitoren vor. Der Bass, der Gremin singt, war gerade fertig und am Aufbrechen; weil wir alte Freunde sind, gab es die obligatorischen Albernheiten und viel Gelächter.
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