Unheimliche Begegnung
Kein Wald, «schattig und ernst, doch nicht düster». Das «Gebiet des Grals», so wie es sich auf der Bühne der Opéra de Lyon darstellt, hat eher was von einer Ödnis. Der Boden, ausgedörrt und durchfurcht, lässt nicht mal andeutungsweise jene «Lichtung» erahnen, von der bei Richard Wagner die Rede ist. Wie ein Lavastrom teilt ein Rinnsal, mal klar, mal blutig, die leblose Landschaft. Während die Frauen, von Thibault Vancraenenbroeck schwarz verschleiert, zumeist im Dunkel verharren, hat sich jenseits des Bachs die Ritterschaft alles andere als häuslich eingerichtet.
Ein paar Plastikstühle, im Kreis angeordnet, reichen völlig aus, um einen Ort der Begegnung zu markieren, zu dem zeitweilig auch Frauen zumindest Zutritt haben. Sie sind es, die den ersehnten Kelch herbeischaffen. Sie sind es, die ihn nach dem letzten Liebesmahl in einer schwarzen Lade wieder in Verwahrung nehmen.
Es ist einiges anders an diesem Bühnenweihfestspiel, das in der Opéra de Lyon als Koproduktion mit der Metropolitan Opera New York und der Canadian Opera Company vorgestellt wird. Der «mystische Abgrund» ist hier nicht so tief, dass er nicht überwunden werden könnte, und François Girard versucht gleich zu Beginn ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz
Für die Hölle gibt’s Szenenapplaus. Ein rot glühendes Fabrikglashaus mit gehörntem Direktor und diabolischer Belegschaft, die Neuzugänge im Zahnräderwerk einer Dampfmaschine entsorgt. Ein Wimmelbild, das die ganze Semperopernbühne füllt und offenbar ganz nach dem Geschmack des feinen Dresdner Premierenpublikums ist. Überhaupt kommt der aufwändig gepflegte...
ARTE
1./7.5. – 6.00 Uhr
Musik für die Zukunft Venezuelas – El Sistema.
Dokumentation von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier.
2./8.5. – 6.00 Uhr
Der Derwisch.
Festival d’Aix-en-Provence 2008. Rezital Moneim Adwan.
2.5. – 15.05 Uhr
Geliebte Clara.
Spielfilm von Helma Sanders-Brahms über Clara Schumann. Mit Martina Gedeck, Pascal Gregory, Malik Zidi, Clara Eichinger, Aline...
Die Metropolitan Opera hat sich bisher als recht glücklos erwiesen, wenn die Titelpartie von Massenets «Manon» zu besetzen war. Neuinszenierungen des Werks – etwa 1963 mit Anna Moffo oder 1987 mit Catherine Malfitano – fielen durch. Einige Aufführungen konnten zwar mit erfolgreicheren Titelheldinnen aufwarten – Mary Costa, Diana Soviero und Renée Fleming –, den...
