Unheimliche Begegnung

«Parsifal» und eine Uraufführung an der Opéra de Lyon

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Kein Wald, «schattig und ernst, doch nicht düster». Das «Gebiet des Grals», so wie es sich auf der Bühne der Opéra de Lyon darstellt, hat eher was von einer Ödnis. Der Boden, ausgedörrt und durchfurcht, lässt nicht mal andeutungsweise jene «Lichtung» erahnen, von der bei Richard Wagner die Rede ist. Wie ein Lavastrom teilt ein Rinnsal, mal klar, mal blutig, die leblose Landschaft. Während die Frauen, von Thibault Vancraenenbroeck schwarz verschleiert, zumeist im Dunkel verharren, hat sich jenseits des Bachs die Ritterschaft alles andere als häuslich eingerichtet.

Ein paar Plastikstühle, im Kreis angeordnet, reichen völlig aus, um einen Ort der Begegnung zu markieren, zu dem zeitweilig auch Frauen zumindest Zutritt haben. Sie sind es, die den ersehnten Kelch herbeischaffen. Sie sind es, die ihn nach dem letzten Liebesmahl in einer schwarzen Lade wieder in Verwahrung nehmen.

Es ist einiges anders an diesem Bühnenweihfestspiel, das in der Opéra de Lyon als Koproduktion mit der Metropolitan Opera New York und der Canadian Opera Company vorgestellt wird. Der «mystische Abgrund» ist hier nicht so tief, dass er nicht überwunden werden könnte, und François Girard versucht gleich zu Beginn ...

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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz

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