Unerlöst
Endlich singt Bryn Terfel in London wieder Wagner. Die ersten zyklischen Aufführungen von Keith Warners «Ring» im September 2007 gingen bekanntlich ohne ihn über die Bühne – eine riesige Enttäuschung, zumal die Produktion stark auf seinen Wotan zugeschnitten war. Jetzt meldete er sich mit einer Rolle an Covent Garden zurück, die er unlängst für die Welsh National Opera einstudierte: der Titelpartie des «Fliegenden Holländers». Diesmal enttäuschte er nicht.
Mit seinem Breitwand-Organ erwies sich der walisische Bariton einmal mehr als Idealbesetzung für den Part des fluchbeladenen Geisterseglers. Auch wenn die ersten Töne («Die Frist ist um») noch dramatische Kontur vermissen ließen, so leuchtete er alsbald die komplexe, getriebene Figur bis in den letzten Seelenwinkel aus – mit feinsten klanglichen Nuancierungen, aber auch mit energischem Nachdruck. Dank seiner sängerischen Intelligenz gelangen Terfel weite Bögen voller Spannung, ebenso beherrschte er die wortgestützte Attacke. Hinzu kam eine über den ganzen Abend durchgehaltene intensive Bühnenpräsenz: Das dunkle Schicksal, die Last des Holländers war förmlich mit Händen zu greifen – ein überaus facettenreiches, psychologisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In den achtziger Jahren begann das italienische Label Nuova Era den auf dem Opernsektor etwas festgefahrenen Schallplattenmarkt durch Ausgrabungen oft entlegener Werke vor allem aus der Ära des Belcanto aufzumischen. Der Reiz der Neuheit musste bei diesen Publikationen oft beträchtliche klangtechnische und auch künstlerische Defizite aufwiegen. Sobald der...
In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
Es sah nach Erfolgsrezept aus. Hatte der Schweizer Regisseur Jarg Pataki doch in der vergangenen Spielzeit am Theater Freiburg gleich mehrere Publikumsmagnete (siehe OW 5/2008) verantwortet: Kafkas «Prozess», Puccinis «Madama Butterfly» und vor allem die spartenübergreifende Produktion von Ibsens «Peer Gynt» mit Griegs kongenialer Schauspielmusik. Dort war es zumal...
