Undurchdringlich
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten sich wiederholenden Zäsuren der Geschichte – sind Chlebnikovs ureigenes Gedankengut.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die «Sternensprache», in der der Klang des Wortes die Essenz des Gegenstandes, den es bezeichnet, erfassen soll. Was Chlebnikov hier versucht, ist nichts weniger, als die Vielfalt der Sprachen und Sprechhaltungen auf ihren gemeinsamen Ursprung zurückzuführen. Diese Idee muss einen Komponisten wie Hèctor Parra faszinieren. Ihn treibt eine ähnlich hybride Wunschvorstellung um: die Totalintegration historischer und gegenwärtiger Musiksprachen. Und das Material seiner elektronischen Komposition für «Zangezi» lässt sogar diese Limitierung noch hinter sich. Hunderte von Klängen, hauptsächlich Vogelgesänge, menschliche Stimmen und Industriegeräusche, hat Parra in winzigste Bruchstücke ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Ingo Dorfmüller
Vom Überdruss singt Emilia Marty alias Elina Makropulos im letzten Akt. Das Leben lässt sie kalt, alle Höhen, alle Tiefen hat sie schon erlebt, alles schon gesehen. Das Gerangel um das Prus-Erbe? Nichts Neues, der Konflikt schwelt seit Generationen. Deshalb ist das Zimmer auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin auch zweigeteilt: Die eine Seite weist ins 20., die...
Einer Ihrer Kollegen sagte einmal, 79, 80, 81, das sei ihm eigentlich egal.
Mir nicht. Am liebsten wäre mir 39, meinetwegen 49.
Sie haben, so schilderten Sie es einmal, früher am Pult wilde Bewegungen vollführt. Wann legt man das ab?
Mein Wiener Lehrer Hans Swarowsky hat mich einmal bei der «Kleinen Nachtmusik» beobachtet und gefragt: «Was machen Sie eigentlich, wenn...
Mit ungeheurer Brutalität steigt Verdi in seinen «Otello» ein, mit Lärm statt Wohllaut: Donner, Blitz, sturmgepeitschtes Meer. Otellos Segelschiff steht kurz vor dem Kentern, die Leute im zyprischen Hafen sind panisch oder zynisch, wie Jago, der von Anbeginn die Fäden für den Untergang des venezianischen Generals und seiner Frau Desdemona spinnt.
Von äußerem...
