Unbequemer Spätentwickler
Marek Janowski ist nicht der Typ Dirigent, über den normalerweise Biografien geschrieben werden. Ein gründlicher Kapellmeister und gnadenloser Orchestererzieher ohne besonderes interpretatorisches Profil, so die lange vorherrschende Meinung über den 1939 Geborenen – und tatsächlich bezeichnet sich auch Janowski selbst als musikalischen Spätentwickler. Vor allem die letzten Jahre haben jedoch an dieser Einschätzung einiges geändert.
Derzeit sieht es ganz so aus, als ob Janowski ähnlich wie Günter Wand mit jedem Lebensjahr in neue musikalische Tiefenschichten vorstoßen würde – kaum ein Maestro seiner Generation scheint derzeit so prädestiniert dafür, der nächste «große Alte» zu werden.
Das Buch des Musikjournalisten Wolfgang Seifert kommt insofern zum richtigen Zeitpunkt, und wer den Werdegang Janowskis durch die deutsche Provinz bis an die Spitze so bekannter Klangkörper wie des Orchestre de la Suisse Romande (seit 2005) und des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (seit 2002) verfolgen will, wird hier reichlich mit Material versorgt. Interessant ist Janowskis Lebensgeschichte quasi von der Geburt an, auch weil die Umstände seines Heranwachsens im großelterlichen Haus in Wuppertal ...
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