Überspannte Seele
Könnte es sein, dass der schweizerisch-amerikanische Komponist Ernest Bloch mit seiner Oper «Macbeth» dem dramatischen Idiom des Shakespeare’schen Königsdramas näherkommt als Verdi? Man ist versucht, die Frage mit Ja zu beantworten, wenn man die erste professionelle U. S.-amerikanische Produktion des Dreiakters gehört hat, die jüngst an der kalifornischen Long Beach Opera herausgekommen ist.
Andererseits fällt ein eindeutiges Urteil schwer angesichts der spezifischen räumlichen Umstände, unter denen die Inszenierung des Künstlerischen Leiters Andreas Mitisek stattfand: Eine lange Traverse, die sich zwischen den Tribünen des am Hafen von Los Angeles gelegenen World Cruise Center erstreckte, bildete die Bühne, auf der sieben Sängerdarsteller die zahlreichen Figuren aus Blochs umfänglichem Personal verkörperten. Die Partie des Pförtners indes wurde bedauerlicherweise gestrichen und die Partitur auf eine Gesamtdauer von nurmehr knapp zwei Stunden gerafft.
Dennoch: Die Vorstellung imponierte – durch ihre Mächtigkeit wie durch ihr Verstörungspotenzial: Regisseur Mitisek glückte mit seiner zwischen verhaltener Intimität und expressionistischem Grauen oszillierenden Inszenierung ein ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Simon Williams
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