Übereifer
Verdis «Don Carlo» verschiebt Schillers Perspektive, indem er die Innenansicht der Macht in den Vordergrund stellt. Diese bildet auch eines der Hauptthemen von Beverly Blankenships Regie, womit die Gestalt König Philipps II. in den Mittelpunkt rückt: ein Mächtiger, der ohnmächtig der Allgewalt der Kirche ausgeliefert ist.
Blankenship und ihre Bühnenbildnerin Heidrun Schmelzer haben in dunkelroten und schwarzen Farben das Bild eines in Furcht erstarrten, düsteren Spaniens entworfen.
Massige, hohe, verstellbare Quaderblöcke bestimmen in jeweils unterschiedlichen Formationen den Spielrahmen; das Kreuz als bedrückendes Symbol beherrscht die Sicht. Bevölkert wird die unheilschwangere Szenerie von Flagellanten, Mönchen in weißem Gewand, oft mit von Kapuzen verdeckten Gesichtern, vorwiegend aber von dunkel gekleideten Gestalten. Schwarz tragen sogar die verschleierten Hofdamen, die in der Gartenszene einer Trauergemeinde gleichen. Die Allgegenwart von Agenten der Inquisition schafft eine Atmosphäre ständiger Bedrohung. Unmissverständlich die nach wie vor aktuelle Anspielung auf ein autoritäres Staatsgebilde, in dem Willkür und Gewalt jedes persönliche Glück ersticken.
Blankenship erzählt ...
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