Über Tisch und Bänke
Treffpunkt Foyer. Dann durch enge Gänge, über Kellertreppen, an Seiten- und Hinterbühne vorbei auf die Hauptbühne. Der Ausstatter Stéphane Laimé hat sie dem Basler Parkett nachgebildet. Wenn der Vorhang hochgeht, sitzen wir Mannsleute den Damen gegenüber, durch die beiden Formationen des La Cetra Barockorchesters und den Spielsteg getrennt. Eine Gegenüberstellung der Geschlechter, damit wir wissen, wer wir sind, überhaupt, wer wer ist.
Wissen wir’s wirklich? Sind wir des Nachbarn, unserer selbst so sicher? Nach drei turbulenten Stunden beschleichen einen da Zweifel – Irritation durch Kunst.
2008. Eben hatten der musikalische Leiter Andrea Marcon, der Regisseur Jan Bosse und Laimé ihren Riesenerfolg mit Monteverdis «L’Orfeo» eingefahren, da beschlossen sie: Unsere Operninszenierung Nummer zwei wird Francesco Cavallis «La Calisto». Monteverdi: Das ist der hohe Ton, der erste Gigant des jungen Genres Oper. Cavalli (1602–1676): Das ist die Gefälligkeit, ist Unterhaltungskunst, der Hitverdacht. Die Musik wird süffiger – fürs Volk geschrieben, das 1651 ja gerade erst in dem nun bürgerlichen halben Dutzend venezianischer Opernhäuser zugelassen war. Der «Calisto»-Komponist ist der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das seit 1975 im apulischen Martina Franca stattfindende Festival della Valle d’Itria, einst gegründet zur Pflege der süditalienischen Musikkultur, hat sich mittlerweile zu einem Eldorado belcantosüchtiger Opernschatzgräber entwickelt. Werke von Traetta, Paisiello, Pacini, Mercadante, Giordano und anderen, vorher selbst den Kennern nicht einmal dem Namen nach...
Wer neunzigmal als früherer Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra den «Don Giovanni» unter Claudio Abbado und Daniel Harding gespielt hat, der weiß, wie es geht. Und vermag nun seine durchaus eigene Sichtweise selbst dem eher Mozart-ungeübten Orchester des Venezianischen Teatro La Fenice zu vermitteln. Mit ruhiger, entschiedener Schlagtechnik ist Antonello...
Im Vietnam-Krieg stürzt ein amerikanischer Pilot ab. Dreißig Jahre später erwartet seine noch immer trauernde Tochter Amelia ihr erstes Baby. In düsteren Träumen erscheint ihr Ikarus – jener fliegende Junge aus dem griechischen Sagenkreis, der sterben musste, weil er sich der Sonne zu sehr genähert hatte. Über der verstörten Schwangeren schwebt, ihrem Blick...
