Die Tortur des Kreises
Wo bleiben die Gehilfen? Wir warten. Und warten. Und warten. Einen ganzen Abend lang. Wie Wladimir und Estragon. Aber K.s Lakaien aus dem Schloss-Roman lassen sich so wenig blicken wie Becketts Godot. Sven Holm und seine Musiktheaterperformancetruppe Novoflot haben die beiden Clownsknechte auf ihre «Winterreise» nach Franz Kafka nicht mitgenommen. Und damit einen Zünder aus der Hand gegeben, mit dem das jüngste Novoflot-Projekt vielleicht wie eine Marthaler-Murx-Rakete hochgegangen wäre. So aber hoffte man vergeblich auf ein bisschen Slapstick der Vergeblichkeit.
Stattdessen rotierte im Haus der Berliner Festspiele bloß die mit Publikum beschwerte Drehbühne – um eine mit Zeitgeist-Zutaten gewürzte Mischung aus Kinderlaienspiel, Knabenchorvorstellung, szenischem Liederabend, Live-Comics (am Laptop: Ulrich Scheel), Soloposaunenjazz (Nils Wogram) und spärlichen Avantgarde-Klanggesten (Aleksandra Gryka) einer fünfköpfigen Combo (das ensemble mosaik unter Leitung von Vicente Larrañaga).
«Ah, es wird lustig sein», versprechen zwei kleine Mädchen den eingangs auf groben Leinensäcken lagernden Zuschauern und tanzen Ringelreihen zum improvisierten Groove des Posaunisten. Ja, wenn es nur ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Albrecht Thiemann
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Wind, Meer und der salzige Geruch kleiner Jungs: Peter Grimes könnte man auch als britisch- hemdsärmelige Version von Thomas Manns Tod in Venedig lesen. David Aldens Inszenierung von der English National Opera (2009), die derlei anregt, wurde schon nach Antwerpen, Gent und Oviedo transferiert. Dass auch ein großes Haus wie die Deutsche Oper Berlin darauf...
Wer sich als Komponist an den Lyriker Nietzsche wagt, begibt sich auf heikles Terrain. Meist machen die Verse selbst schon so viel Musik, dass kein Raum für Vertonungen zu bleiben scheint. Pascal Dusapin (Jahrgang 1955) hat es auf Bitten des Baritons Georg Nigl dennoch versucht – und gleich einen ganzen Nietzsche-Zyklus für Stimme und Klavier geschrieben, der 19...
