Sehnsucht, subkutan

Christof Loy erkundet in Oslo die geheimen Seelenregungen zumal der weiblichen Protagonisten in Tschaikowskys «Eugen Onegin», Lothar Koenigs lotet die emotionalen Wechselbäder der Musik aus

Opernwelt - Logo

Die heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Landgut der Frau Larina sind nurmehr folklorelose Skizze, wie nebenbei hingeworfene Schraffur: Ein dienstbarer Geist, natürlich weiblichen Geschlechts, füllt heiß aufgekochte Marmelade in Weckgläser ab. Eine Kollegin wischt den Boden, eine andere räumt Geschirr in den Wandschrank.

Dann geht Christof Loy sogleich ans Eingemachte von Tschaikowskys «Eugen Onegin», den er beherzt vom Klischee befreit (dem äußerlich-dekorativen wie dem innerlich-küchenpsychologischen), um kompromisslos in die Abgründe vorzudringen, die dieser romantisch gefärbte Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts bereithält.

Der Meisterregisseur schaut dazu einfach mal genauer hin als viele seiner Kollegen. Hört auf die Zwischentöne der Musik und deren geheime Seelenregungen und spürt den Entwicklungslinien der Figuren mit maximalem Einfühlungsvermögen nach – zumal jenen der eigentlichen Hauptfigur des Stücks, der Romane verschlingenden Tatjana. Loy leitet seinen Tiefenblick dabei sehr wohl aus einer Analyse gesellschaftlicher Strukturen ab, aus denen die Beziehungs- und Verhaltensmuster, die Werte, Sitten und – vor allem allzu männlichen – Unsitten der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Zukunftsmodell

Ein Einheitsraum, 16 Musiker, drei völlig verschiedene Sujets: Unter dem etwas großzügig formulierten Motto «Wie klingt die Oper von morgen?» legte Schwedens erstes Haus ein Format von 2016 erneut auf und beauftragte drei renommierte schwedische Komponisten mit jeweils einer «Short Story». Katarina Aronsson, Dramaturgin am Haus und Initiatorin des Projekts,...

Atem der Tradition

Viereinhalb Jahrhunderte – wer vermag eine solche Zeitspanne zu fassen, mit lebendiger Geschichte zu füllen? Die Staatskapelle Berlin feiert 2020 den 450. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung. Als Kurbrandenburgische Hofkantorei bzw. Hofkapelle wurde sie im 16. Jahrhundert ins Leben gerufen, mit einer größeren Anzahl von Sängern und einer weit geringeren an...

Impressum April 2020

61. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752332

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...