Sehnsucht, subkutan

Christof Loy erkundet in Oslo die geheimen Seelenregungen zumal der weiblichen Protagonisten in Tschaikowskys «Eugen Onegin», Lothar Koenigs lotet die emotionalen Wechselbäder der Musik aus

Opernwelt - Logo

Die heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Landgut der Frau Larina sind nurmehr folklorelose Skizze, wie nebenbei hingeworfene Schraffur: Ein dienstbarer Geist, natürlich weiblichen Geschlechts, füllt heiß aufgekochte Marmelade in Weckgläser ab. Eine Kollegin wischt den Boden, eine andere räumt Geschirr in den Wandschrank.

Dann geht Christof Loy sogleich ans Eingemachte von Tschaikowskys «Eugen Onegin», den er beherzt vom Klischee befreit (dem äußerlich-dekorativen wie dem innerlich-küchenpsychologischen), um kompromisslos in die Abgründe vorzudringen, die dieser romantisch gefärbte Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts bereithält.

Der Meisterregisseur schaut dazu einfach mal genauer hin als viele seiner Kollegen. Hört auf die Zwischentöne der Musik und deren geheime Seelenregungen und spürt den Entwicklungslinien der Figuren mit maximalem Einfühlungsvermögen nach – zumal jenen der eigentlichen Hauptfigur des Stücks, der Romane verschlingenden Tatjana. Loy leitet seinen Tiefenblick dabei sehr wohl aus einer Analyse gesellschaftlicher Strukturen ab, aus denen die Beziehungs- und Verhaltensmuster, die Werte, Sitten und – vor allem allzu männlichen – Unsitten der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Anspruchsvoll

Eine Zeitlang war Franz Kafka von der Idee beseelt, seine themenverwandten Erzählungen «Das Urteil», «Die Verwandlung» und «In der Strafkolonie» als Trilogie unter dem Titel «Strafen» zu veröffentlichen. Diesen Plan, den der Schriftsteller nie in die Tat umsetzte, hat nun Brice Pauset gleichsam posthum und im Auftrag der Oper Dijon zumindest musikalisch...

Freude, schöner Götterfunken?

In der Justizvollzugsanstalt Tegel ist an einem der Blöcke ein Spiegel angebracht, darauf steht: «WASBRAUCHTESEINEM/ZUHELFEN?» Zu «Fidelio» passt die Frage wie die Faust aufs Auge. Das Gefängnistheater «aufBruch» hat in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern ein Stück um Beethovens Oper entwickelt. Gespielt wird in einem stillgelegten Zel­lentrakt; es ist ein...

TV-Klassiktipps April 2020

alpha

03.04. – 20.15 Uhr
Missa Solemnis

BR Chor und Sinfonieorchester, ML: Gardiner

05.04. – 22.00 Uhr
Bach: Matthäuspassion

Live aus dem Herkulessaal, München
Chor des BR, ML: Dijkstra, S: Gauvin, Romberger, Schmitt, Prégardien, Nagy, Fredriksson

12.04. – 21.45 Uhr
Wagner: Tannhäuser

Münchner Opernfestspiele 2017, ML: Petrenko, I: Castellucci, S: Zeppenfeld, Vogt,...