Traumspiel à la Freud

Bad Ischl | Lehár-Festival | Lehár: Zigeunerliebe

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Hin und wieder scheinen Stücke an ihrem Anspruch ebenso zu scheitern wie an den in sie gesetzten Erwartungen. Ein Musterbeispiel hierfür ist Franz Lehárs Operette «Zigeunerliebe» (1910). Musikalisch erfüllt das Stück über weite Strecken die Anforderungen einer Oper, auch das Libretto sucht Operetten-Klischees zu meiden – ohne, den Usancen der Operettenkunst der Zeit entsprechend, ganz auf sie verzichten zu können.

Obendrein galt «Zigeunerliebe» lange als unaufführbar – wegen der Einbeziehung der Natur (fließendes Gewässer!) in das Geschehen, wegen der Verwirrung von Traum und Wirklichkeit. Peinlich wurde es in der Fernsehverfilmung von 1974, die das Stück zum Feld-Schloss-und-Wiesen-FolkloreSpektakel verflachte.

Vielleicht kommt Leonard Prinsloos Bühnenvariante beim Lehár-Festival Bad Ischl nun als Erste den Intentionen des Komponisten und seiner beiden Librettisten wirklich nahe – weil sich in ihr die Grenzen von Schein und Sein fast völlig auflösen. Denn im Grunde kann man «Zigeunerliebe» als eine Parabel begreifen, die sich um Liebesprojektionen und Liebeserwartungen dreht. Eine junge Frau, Zorika, soll einen Mann, Jonel, heiraten, den sie nicht wirklich begehrt. Der Zigeuner ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Alexander Dick

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