Traumata und Liebesträume
Wunder gibt es immer wieder. Auch und gerade in diesem dreiaktigen Dramma per music a, das Johannes Brahms nicht zu Unrecht als «Wunderwerk» bezeichnete und das ein gerüttelt Maß an Heroik besitzt. Mozarts «Idomeneo» steht, in seiner brüchigen Erhabenheit, für den erschütternden Protest gegen jede Form von Anpassung an das Machbare, «gegen die Idolatrie des rundum Geglückten» (Ivan Nagel). Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass diese Seria-Oper in D-Dur beginnt und in derselben Tonart endet.
Mag es ein neues Königspaar geben, der Krieg bleibt allgegenwärtig, und er hat die Seelen aller Menschen traumatisiert. Hoffnung gedeiht hier kaum oder gar nicht. Dystopie hingegen schon.
Philipp Westerbarkei lässt daran in seiner Grazer Inszenierung von Beginn an keinen Zweifel. Auf Tatjana Ivschinas, von Sebastian Alphons meist dunkel ausgeleuchteter Bühne steht ein Koloss aus angerostetem Stahl, ein mächtiger, abweisender Monolith, den nur die Götter (oder in diesem Fall: die Technik des Hauses) verschieben können. Mal ist er (Klage)Mauer, mal Schiffsbug, mal Hafenkai (das Stück spielt auf der Insel Kreta), mal Trenn-, mal Exekutionswand. Und wenn Ilia, der Ekaterina Solunya einen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Am Beginn des neunten Lebensjahrzehnts stand er noch als Barak, sogar als Holländer auf der Bühne, stets bestaunt von der Operngemeinde: In diesem Alter noch solche Monsterpartien? Franz Grundheber dürfte auf solchen Zuspruch zwiegespalten reagiert haben. Ja, eine solche Spätestkarriere empfand er als ungewöhnlich, äußerte sich darüber auch selbstironisch. Und...
Die Ruhrtriennale ist bekannt für Musiktheater – das ist auch für mich persönlich das eigentliche Zentrum.» So sagt es der flämische Theatermacher Ivo van Hove, seit letztem Jahr Intendant des «Festivals der Künste» in ehemaligen Industriehallen zwischen Bochum und Duisburg. Beim Genre Musiktheater tritt van Hove in die mammutgroßen Fußstapfen seiner Vorvorgänger –...
Goethes begrenztes Musikverständnis zu bemängeln, gehörte lange Zeit zum guten Ton seiner Kritiker. Beethovens Fünfte war ihm zu titanisch, Schuberts «Erlkönig» fand er «detestabel», das Urteil über die «Huit scè-nes de Faust» von Berlioz überließ er Zelter, der darin nur «Husten, Schnauben, Krächzen und Ausspeien» hörte. Andererseits spielte Goethe passabel...
