Transzendenz des Abschieds

Anna Lucia Richter singt Mahler-Lieder

Opernwelt - Logo

Auf ihrem neuen Solo-Album hat sich Anna Lucia Richter mit Gustav Mahler einer der schwierigsten Aufgaben für eine Sängerin im klassischen Liedrepertoire gestellt. Sowohl die acht frühen Lieder «Aus des Knaben Wunderhorn» als auch die fünf «Kindertotenlieder» sind «Songs of Fate», Schicksalslieder – allerdings konträrer literarischer Herkunft wie musikalischer Handschrift.

Schwanken die «Wunderhorn»-Vertonungen zwischen Naivität und Intellekt, Sentimentalität und Parodie und meinen in ihrer Gebrochenheit des Ausdrucks stets beides, so nehmen die düsteren Rückert-Lieder bereits jene Transzendenz des Abschieds vorweg, in dem, wie dann später im letzten Satz des «Lieds von der Erde», alles Glück zu Schmerz wird.

Richter trifft den episch-distanzierten, den Volkston stilisierenden Gestus des Als-ob der «Wunderhorn»-Stücke aufs Genaueste. Sie weiß ihre Stimme in Stücken wie «Lob des hohen Verstandes», «Rheinlegendchen» oder «Wer hat dies Liedlein erdacht?» mit «eckiger Naivität und frischer Geradlinigkeit» (Paul Bekker) ganz leicht, nämlich kindlich zu machen und dabei doch kunstvoll zu bleiben, wie eine, die vor sich hinsingt und ganz nebenbei doch ein Äußerstes an Expression ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Harmonie der Unterwelt

Der Ort ist ein Traum. Auf einer Anhöhe, direkt am Vierwaldstätter See und leicht abgeschieden, liegt die Villa Senar. Und ist schon der Würfelbau an sich ein Schmuckstück, birgt er dazu in seinem Innern einen unüberbietbaren Schatz – jenen schwarzmattglänzenden Flügel, den Frederick Steinway dem Komponisten und Hausherrn Sergej Rachmaninow zu dessen 60. Geburtstag...

Phantastische Bilderwelten

Dieser Lohengrin ist eine Lichtgestalt: weißer Anzug, weißes Gesicht, weißes Haar. In der Inszenierung von Roger Vontobel wird er während des Orchestervorspiels in einer Videoprojektion als übermenschliches Wesen kreiert. Zu den Zauberklängen, die Roberto Rizzi Brignoli aus dem Orchestergraben aufsteigen lässt, formen die Videokünstler Clemens Walter und Jonas Dahl...

Dienen sollst du, dienen

Es ist nur ein «Schattenbild». Doch ein vielsagend-mehrdeutiges. Es zeigt den Dirigenten (nicht den Komponisten) Gustav Mahler, in vielen verschiedenen Posen und Positionen, bei seiner «Arbeit»; mal wild fuchtelnd, mal herrisch gebietend; mal mahnend, mal insistierend; mal drängend, mal distanzierend. Man kommt nicht umhin, in dieser liebevollen, posthum erstellten...