Tanz ums Gold
Dass der zeitgenössische Kunstmarkt eine Finanzblase für hysterische Spekulanten sei, gehört fast schon zu den Allgemeinplätzen. Die einen bringen dort Haie in Formaldehyd oder diamantbesetzte Totenköpfe für Millionen an den Sammler, die anderen anscheinend kleine leuchtende Würfel. Cardillac heißt der Künstler, der diese Würfel am Salzburger Landestheater unter dem Markenzeichen eines großen goldenen C bevorzugt von Engeln mit schwarzen Flügeln darbieten lässt.
Dass die Käufer danach des Nachts ihrem eigenen Todesengel in Gestalt des Künstlers begegnen, gehört für Amélie Niermeyer zu seiner Marketingstrategie. Durch die Lust am blutigen Skandal werde diese noch angeheizt, schreibt die Regisseurin im Programmheft.
Das ist eine unmittelbar einleuchtende Idee für eine Inszenierung von Paul Hindemiths «Cardillac», den das Salzburger Landestheater wie üblich in der ersten Fassung von 1926 zeigt. Umso verblüffender, dass das Team auf Dauer zu wenige konkrete Bilder für sein Thema entwickelt oder diese seltsam windschief bleiben. Es mag noch der Offenheit zeitgenössischer Kunstdiskurse zuzurechnen sein, dass der Werkbegriff unter dem goldenen C unklar bleibt. Zu Beginn scheint Cardillac ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Stallknecht
Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers...
Darf ein Countertenor Rossini singen? Die Frage ist so sinnvoll oder so sinnlos wie die nach Bach auf dem Steinway oder – vermutlich hier treffender – die nach Schubert auf dem Cembalo. Natürlich darf er, wenn das künstlerische Resultat überzeugt. Max Emanuel Cenčić überzeugt in den beiden Arien des Malcolm aus Rossinis «La donna del lago», die er schon 2007 auf CD...
Im Gebälk blitzt es. Die Götter machen Radau, fordern Aufmerksamkeit. Immerhin haben sie gerade die schöne Galathea von einer Elfenbeinstatue in eine Dame aus Fleisch und Blut verwandelt. Es ist dies die Schlüsselszene in Gaetano Donizettis Opernerstling «Il Pigmalione». In Duisburg misslingt sie leider. Denn schon von Beginn an spaziert Galathea (schillernd:...
