Tan Dun: Tea
Er weiß offenbar genau, mit welcher Marketing-Strategie man sich heutzutage gut verkauft: ein bisschen chinesische Tradition (aber eher in Form netter, leicht konsumierbarer Chinoiserien und Kantilenen voll von kitschnahem Wohllaut), dazu eine gute Prise avantgardistisch anmutender Geräusche, von plätscherndem Wasser über raschelnde Papierbahnen bis hin zu aneinander geschlagenen Steinen.
Der in Amerika lebende chinesisch-kosmopolitische Komponist Tan Dun (Jahrgang 1959) gibt mit seinem Musiktheaterwerk «Tea», das in Oldenburg seine deutsche Erstaufführung erlebte, ein Musterbeispiel dafür, wie man sich als so genannter «Moderner» gerieren kann, ohne irgendjemand weh zu tun. Nur: Das Ergebnis bleibt letztlich eine ins Kunstgewerbliche verflachte Exotik, musikalischer Nippes.
Das Libretto erzählt von der letal endenden Werbung eines jungen japanischen Prinzen um die Tochter des Kaisers von China, wobei ein philosophisches Buch vom Tee den tödlichen Streit des Bräutigams mit dem Bruder der Braut auslöst. Der Zuschauer darf in eingestreuten Sentenzen Banalitäten und hochgestapelten Pseudo-Tiefsinn zur Kenntnis nehmen, verpackt in oft musicalnahe melodische Linien, darf gefälligen ...
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