Tänze auf dem Vulkan

Prokofjew: Maddalena/Ravel: L’heure espagnole Verdi: Rigoletto
MOSKAU | BOLSCHOI THEATER | STANISLAWSKI- UND NEMIROWITSCH-DANTSCHENKO-MUSIKTHEATER

Opernwelt - Logo

Der Theaterregisseur Vladislavs Nastavševs hat in der Oper schon debütiert. Seine Inszenierung von Bizets «Perlenfischern» auf der Kammerbühne des Bolschoi Theaters vor einem Jahr – die Handlung spielte in einem Probenraum – bestach durch ihre szenische Klarheit. Für das Diptychon aus Prokofjews «Maddalena» und Ravels «L’heure espagnole» scharte Nas­tavševs  nun ein Dutzend gut ausgebildeter Statisten um sich, die ihm dabei halfen, «gutes Wetter zu machen».

«Maddalena» ist eine verhängnisvolle Tragödie, in der junge Frauen und Männer der Intelligenzija zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eine Art «Corps de Ballet» für die sich stürmisch entwickelnde Handlung fungieren. Die «Femme fatale» (stilecht: Xenia Muslanova) bringt den leidenschaftlichen Genaro (sängerisch phänomenal: Alexander Tschernov) um den Verstand – und ebenso den eigentlich ausgeglichenen Stenio (überzeugend: Roman Bobrov). Jeder Wendepunkt wird mit unglaublicher Intensität gespielt, so als sei diese schreckliche Geschichte Spiegelbild der (zumindest in Russland) aggressiven Spätmoderne. Vertieft wird die Fragilität des Dramas noch durch die zornige Attitüde der Statisten.

In Ravels «L’heure espagnole» verwandeln sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Alexej Parin, Konstantin Nikischin

Weitere Beiträge
Was kommt... Januar 2022

Jahrhundertsängerin
Sie wusste, wann sie aufhören musste. 1973, im Alter von 51 Jahren, stand Renata Tebaldi als Desdemona in Verdis «Otello», einer ihrer Paraderollen, letztmalig auf der Bühne der Metropolitan Opera, jenem Haus, an dem sie 17 Jahre lang fast alle großen Sopranrollen gesungen hatte: Tosca, Violetta Valery, Aida, Amelia, Maddalena, Mimì, Manon...

Süßer Schauder

Der Herr ist doch zu Haus. Kaum bricht das brachiale initiale Agamemnon-Motiv aus dem Orchester hervor, lässt er sich umständlich von einer Domestikendame in den Mantel helfen, um sich – auf dem Weg vom deutlich mit Patina überzogenen Wiener Palais zu einem Geschäftsgang in die Stadt – kurz noch mit einem übergriffigen Kuss über das junge Ding herzumachen. In...

Magnet für Jung und Alt

Wie schnell die Zeit vergeht. Ein Blick in den Aufführungskalender der Kölner Kinderoper aus den vergangenen Jahren, ein Gang durch den Backstage-Bereich des Staatenhauses, ein paar nachdenkliche Momente im Gespräch mit Opernintendantin Birgit Meyer – und 25 Jahre Kölner Kinderoper fühlen sich nicht mehr an wie das Vierteljahrhundert, das sie sind. Vielmehr wirken...