Süßer Schauder
Der Herr ist doch zu Haus. Kaum bricht das brachiale initiale Agamemnon-Motiv aus dem Orchester hervor, lässt er sich umständlich von einer Domestikendame in den Mantel helfen, um sich – auf dem Weg vom deutlich mit Patina überzogenen Wiener Palais zu einem Geschäftsgang in die Stadt – kurz noch mit einem übergriffigen Kuss über das junge Ding herzumachen.
In seiner Adipositas (gottlob ist sie nicht den Körpermaßen von John Daszak geschuldet, sondern den Künsten der Kostümbildnerin Elena Zaytseva) gleicht dieser (glasklar singende) Aegisth einem kleinen Bruder des Barons Ochs auf Lerchenau.
Überhaupt sieht der Beginn dieser «Elektra», die Dmitri Tcherniakov als Regisseur und Bühnenbildner verantwortet, verdächtig nach Strauss’ «Rosenkavalier» aus. Die fünf Mägde nebst Aufseherin und sogar Hausherrin Klytämnestra hocken kichernd beim Kaffeekränzchen beisammen. Die Damen versuchen längst nicht mehr, das Blut vom Boden zu wischen, das durch all die Morde und Gräuel über Generationen in den Boden eingesickert ist. Stattdessen pflegen sie die Rituale einer spätspießbürgerlichen Gesellschaft, die über die eigenen Abgründe den Mantel der Verdrängung oder, wenn das doch nicht mehr geht, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Krause
Wie sich die Zeiten doch ändern: Als 1835 Karl von Gutzkows Roman «Wally, die Zweiflerin» erschien, ging nicht nur ein weithin hörbares Raunen durch den deutschen Blätterwald, der Autor landete für seine angeblich blasphemische und (aufgrund einer Nacktszene in der Hochzeitsnacht) als pornografisch inkriminierte Fiktion sogar im Gefängnis und wurde mit einem...
Über Ruanda weiß man – wie über viele afrikanische Länder – zu wenig. Das, was man über Ruanda weiß, beschränkt sich in der Regel auf die Thematik des Genozids an den Tutsi, auf die Kolonialzeit. Die Installation «Rwandan Records» möchte – so verrät der Ankündigungstext – ein junges Ruanda zeigen, möchte den dort lebenden Menschen eine Stimme geben.
Hörbar gemacht...
Simon Laks wurde am 1. November 1901 in Warschau geboren. Am selben Tag wie der bedeutende Musikwissenschaftler Hans Heinz Stuckenschmidt, der am 1. November 1901 in Strasbourg das noch recht optimistisch leuchtende Licht der Welt erblickte. Stuckenschmidt verbat man bereits 1934 das Schreiben und Publizieren, hatte er sich doch nachhaltig für jüdische Musikerinnen...
