Süßer Schauder

Dmitri Tcherniakov bringt an der Hamburgischen Staatsoper Licht in das Tragödiendunkel von Strauss’ «Elektra»

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Der Herr ist doch zu Haus. Kaum bricht das brachiale initiale Agamemnon-Motiv aus dem Orchester hervor, lässt er sich umständlich von einer Domestikendame in den Mantel helfen, um sich – auf dem Weg vom deutlich mit Patina überzogenen Wiener Palais zu einem Geschäftsgang in die Stadt – kurz noch mit einem übergriffigen Kuss über das junge Ding herzumachen.

In seiner Adipositas (gottlob ist sie nicht den Körpermaßen von John Daszak geschuldet, sondern den Künsten der Kostümbildnerin Elena Zaytseva) gleicht dieser (glasklar singende) Aegisth einem kleinen Bruder des Barons Ochs auf Lerchenau.

Überhaupt sieht der Beginn dieser «Elektra», die Dmitri Tcherniakov als Regisseur und Bühnenbildner verantwortet, verdächtig nach Strauss’ «Rosenkavalier» aus. Die fünf Mägde nebst Aufseherin und sogar Hausherrin Klytämnestra hocken kichernd beim Kaffeekränzchen beisammen. Die Damen versuchen längst nicht mehr, das Blut vom Boden zu wischen, das durch all die Morde und Gräuel über Generationen in den Boden eingesickert ist. Stattdessen pflegen sie die Rituale einer spätspießbürgerlichen Gesellschaft, die über die eigenen Abgründe den Mantel der Verdrängung oder, wenn das doch nicht mehr geht, ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Krause

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