Szenen ohne Worte
Die amerikanische Avantgarde-Schriftstellerin Gertrude Stein träumte davon, Bilder in Texte zu «übersetzen». Ausgangspunkt waren die kubistischen Kompositionen ihrer Malerfreunde Picasso und Braque. Dabei ging es ihr nicht um die Beschreibung ästhetischer Erfahrung, sondern um die Nachbildung von Strukturen, Rhythmen, Farbwerten mit den Mitteln der Sprache, gleichsam um eine Transsubstantiation abstrakter Bildwerke in Literatur. Ob Steins Experimente die Oldenburger Komponistin Sarah Nemtsov (Jahrgang 1980) beeinflusst haben, wissen wir nicht.
Doch wer sich auf Nemtsovs Arbeiten einlässt, spürt alsbald, dass auch bei ihr das Interesse an verborgenen Kongruenzen zwischen den Künsten den kreativen Prozess entzündet.
Antrieb und formbildende Kraft der Klangfantasie sind meist literarische Texte, die um verlassene, verlorene Orte oder Menschen kreisen. Melancholische Erinnerungsprosa wie Benjamins «Berliner Kindheit um neunzehnhundert», Prousts «A la Recherche du temps perdu» oder Erzählungen von W. G. Sebald («Die Ausgewanderten»). Ihren sechsteiligen Zyklus «A LONG WAY AWAY. Passagen» (2010/11) bezieht Sarah Nemtsov explizit auf diese Autoren. Freilich hat sie nicht eine einzige ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Albrecht Thiemann
Terence Blanchards Opernerstling «Champion», im Juni von der Kompanie des Opera Theatre of Saint Louis uraufgeführt, ist ein musikalisch wie thematisch gleichermaßen ambitioniertes Werk. Gemeinsam mit dem Dramatiker und Filmemacher Michael Cristofer erzählt der berühmte Jazz-Trompeter, der als Komponist bis dato vor allem mit Film- und Theatermusiken in Erscheinung...
Ist das Richard Wagner? Ist das der an mangelndem Selbstbewusstsein wahrlich nicht leidende Meister von Bayreuth, der Zukunftsmusiker, der da auf dem Boden kniet und sich verzweifelt die Ohren zuhält? Und das in Gegenwart eines Frauenterzetts, das ihm sein eigenes «Hojotoho» entgegenschleudert. Ist das jener R., den Ehefrau Cosima in ihren Tagebüchern als «doch...
Für den nur einen Steinwurf entfernt in Lowestoft geborenen Benjamin Britten war es ein Heimspiel. Das 1948 vom Komponisten gegründete Aldeburgh Festival ehrte seinen Gründervater zu dessen 100. Geburtstag mit einer Neuproduktion von «Peter Grimes» – seiner von der eindrucksvollen Landschaft Suffolks inspirierten, ersten «echten» Oper. Die im benachbarten Dorf...
