Szenen einer Ehe
Floris Visser stellt Händels Oratorium «Hercules» gleichsam auf den Kopf und erzählt die Geschichte von ihrem Ende her. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir, wie Dejanira, die unglückliche Mörderin des antiken Heroen, im stummen Spiel den zu den Gestirnen erhobenen Toten auf dem an die Wand ihres Zimmers kartierten Himmelsfirmament sucht. Plötzlich öffnet sich, wie in einer Vision, die verbarrikadierte Zimmertür der zum Psychofall gewordenen, eifersüchtigen Gattin, und ein halbnackter, mit Adlerschwingen beflügelter Mann befreit sie.
Es ist der tote Hercules selbst, der sie zu einer Gerichtsverhandlung über ihre Vergangenheit abholt.
Mit dieser genialen Setzung kappt Visser alle Vorbehalte gegen das (auf Sophokles’ Drama «Die Trachinierinnen» zurückgehende) Oratorium und macht, aus der Rückschau der Inhaftierten, dessen scheinbare Unlogik und Sprunghaftigkeit zum Movens einer in präzisen Filmschnitten die Handlung teils vor-, teils zurückblendenden Dramaturgie, die mit Zeitlupen, Zooms und Lichtwechseln arbeitet. «Words are too faint to speak the warring passions / That combat in my breast», sind Dejaniras letzte Worte. Wo die Sprache versagt, leuchtet Händels Musik ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Zu den großen Bewunderern von Carlo Goldonis populärer Komödie «Le baruffe chiozzotte» zählte auch Johann Wolfgang von Goethe; nachzulesen ist es in einem Reisetagebucheintrag vom 10. Oktober 1786: «Nun endlich kann ich denn auch sagen, daß ich eine Komödie gesehen habe! Sie spielten heut’ auf dem Theater St. Lukas
Herr Falk, wird man nicht verrückt, wenn man auf der Bühne permanent in existenziellen Nöten steckt? Brauchen Sie manchmal psychologischen Beistand? (lacht) Das ist ja mal eine Frage! Aber im Ernst: Ich glaube, dadurch, dass ich mich immer schon für Grenzerfahrungen interessiere, suchen mich diese Rollen.
Wie nähern Sie sich solchen Rollen? Ganz aktuell Thomas,...
Am 23. Februar war die Welt des Valery Gergiev noch in bester Ordnung. An der Mailänder Scala dirigierte Gergiev die Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame», die wenigen, zaghaften Buhrufe vor dem ersten Takt wird er vermutlich nicht einmal vernommen haben. Im Weghören war der russische Dirigent immer schon ein Großer; was ihn nicht interessierte, existierte nicht....
