Subtile Wortkünstler
«Der Faschismus läuft auf eine Ästhetisierung des politischen Lebens hinaus», schrieb Walter Benjamin in seinem epochalen Aufsatz «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit» von 1935; «der Kommunismus antwortet ihm mit der Politisierung der Kunst» – wie es Hanns Eisler tat, der 1931 ein Lied zum «Lob des Kommunismus» komponierte und 18 Jahre später «Auferstanden aus Ruinen», die Nationalhymne der DDR.
Es lag an der politischen Entwicklung der beiden deutschen Staaten, dass Eisler in der DDR dafür gerühmt wurde, mit seiner Musik politisches Engagement zu transportieren, während seinen Moritaten in der BRD der schlechte Mundgeruch der Politik nachgesagt wurde.
Die meisten der 500 Lieder, die Eisler auf Texte überwiegend von Bertolt Brecht, aber auch von Kurt Tucholsky und oftmals für den als «Barrikaden-Tauber» berühmten Ernst Busch geschrieben hat, waren, nach dem Wort des Komponisten, «Kampfmusik». «Das Kampflied», so proklamierte er 1935, «ist das eigentliche Volkslied des Proletariats». In den letzten Jahrzehnten haben sich nur wenige arrivierte Interpreten – Dietrich Fischer-Dieskau, Matthias Goerne und Dietrich Henschel – um wiederum nur wenige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Welcher Dirigent kann schon von sich sagen, dass er in einem Jahr gleich zwei neue Häuser eröffnet hat? Sie haben Anfang März zum ersten Mal im neuen Pierre Boulez Saal dirigiert, Anfang Oktober in der frisch restaurierten Lindenoper. Es gab Verrisse und Lob. Sind Sie zufrieden mit Ihren Kritikern, Herr Barenboim?
Dass ich lieber ein modernes Haus haben wollte, ein...
Klassische Helden haben keinen guten Leumund mehr. In der Antike genügte es, aus Ehrsucht möglichst viele Menschen beliebig zu erschlagen, und schon war man wer. Unserem heutigen Heldenbild entspricht eher der kürzlich verstorbene Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der 1983 die Welt rettete, indem er auf einen vermeintlichen atomaren Angriff der Amerikaner nicht...
Das Theater St. Gallen hat es gewagt. Kühn hat das Dreispartenhaus im Osten der Schweiz zur Eröffnung der neuen Saison «Die Gezeichneten» von Franz Schreker ins Programm genommen. So wie es 1988 mit der Produktion des «Schatzgräbers» der Schreker-Renaissance in der Schweiz einen Anstoß verliehen hat. «Die Gezeichneten» sind natürlich ein Werk ganz anderen...
