Stadt und Land
Das deutsche und österreichische Repertoiresystem, im Einzelnen schon durch die normative Kraft des Faktischen in Frage gestellt, hat mit den Pariser Operngepflogenheiten wenig gemein. Das einzige Opernhaus, das sich mit deutschen Bühnen vergleichen lässt, ist die Opéra National mit ihren beiden Spielstätten Opéra de Bastille (2700 Plätze) und Palais Garnier, der alten Grand Opéra, mit offiziell 1979 Plätzen, von denen wegen Sichtbehinderung aber nur rund 1750 verkauft werden.
Die Opéra National besitzt ein eigenes Orchester mit 170 Mitgliedern, der Chor umfasst 108 festangestellte Sängerinnen und Sänger. Die Größe des Orchesters gestattet für viele Produktionen mit Zweiteilung des Ensembles in «grünes» und «blaues» Orchester. Eine Farbe ist jeweils einem Projekt zugeordnet, was bedeutet: Die Besetzung ist für jede Vorstellung immer konstant. Einen «fliegenden» Musikerwechsel von Abend zu Abend gibt es nicht. Der amtierende Dirigent kann sich darauf verlassen, dass das in den Proben Erarbeitete auch in der folgenden Vorstellungsserie gesichert ist.
Wer die Pariser Nationaloper einschätzen will, etwa im Vergleich zu Wien, München, Berlin, darf die Rolle des Balletts nicht ...
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Als Offenbachs «Rheinnixen» 2002 in Montpellier konzertant «wiederentdeckt» wurden, glich das einer Sensation, die vom Publikum heftig gefeiert wurde. Nicht minder Aufsehen erregend war die erste szenische Wiederbelebung 2005 in Ljubljana – einhunderteinundvierzig Jahre nach der Uraufführung.
Jacques Offenbachs Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas...
Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...
Der bemerkenswerteste Versuch, Monteverdis «Poppea» den Händen von Barockspezialisten zu entwinden und dem musiktheatralischen Mainstream zuzuführen, war 1976 in Paris zu verfolgen, als Gwyneth Jones die Titelpartie sang, Jon Vickers den Nerone gab und Christa Ludwig als Ottavia, Richard Stilwell als Ottone sowie Nikolai Ghiaurov als Seneca auf der Bühne standen....
